Full text: Russlands Bankerott

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Der russische 
Mensch. 
Zwangsweiser 
Getreide 
export. 
Inland untergebracht, welches zudem in riesigen Beträgen Gläubiger 
des Auslandes ist, Non den russischen Anleihen sind dagegen Wohl achtzig 
Prozent im Ausland untergebracht. — Wenn der russische Staat seine 
Zinsen nicht zahlt, würden z. B. die Verluste in Deutschland weit größer 
sein als in Rußland. Dabei ist Deutschland lange nicht Rußlands größter 
Gläubiger. Rußland wäre also reich — es hätte aber kein Geld. — 
Es gibt ja auch im privaten Wirtschaftsleben solche „Millionäre", welche 
große Terrains besitzen und große Steuerzahler sind, welche aber ihre 
Terrains immer stärker belasten müssen, um ihren Zinspflichten gerecht 
zu werden. — Wird Rußland dauernd in der Lage sein, dies zu tun? 
Augenscheinlich besitzt Rußland zwei Faktoren, Land und Menschen. — 
Daß im allgemeinen der russische Mensch kein starker wirtschaftlicher Faktor 
ist, ist zweifellos. — Die oberen Klassen neigen zur Verschwendung, der 
Bauer ist bedürfnislos, aber wenig intelligent, 50 Millionen Deutsche 
bedeuten wirtschaftlich mehrfach die Potenz der 120 Millionen Russen, 
von welchen jeder Kopf dem Ausland rund 125 Mark verschuldet. 
Bleibt das Land — der Boden ist gilt, aber jeder Boden ist schließlich 
nur so viel wert wie seine Bewohner. Gerade an Rußland läßt sich 
nachweisen, wie die ursprünglich günstigeren Produktionsverhältnisse durch 
schlechte Wirtschaft sich verschlechtert haben. — 
Rußlands starker Getreideexport, das Rückgrat des russischen Handels 
und der russischen Finanzen, ist nicht eine Folge der großen Erträg 
nisse des Landes, sondern ist durch den starken Steuerdruck bewirkt, welcher 
auf der russischen Bauernschaft lastet. Dies ist eine in Fachkreisen, aber 
leider nicht dem Publikum bekannte Tatsache. So schreibt die gemäßigte 
und durchaus nicht antirussische> eher antijapanische Frankfurter 
Zeitung vom 8. Oktober in einer Kritik des Helfferichschen Artikels: 
„Wie dieser?) betrieben wird, ist bekannt: die Re 
gierung zwingt den Bauer zllm Verkauf des zur Er 
nährung seiner Familie selb st benötigten Getreides, 
indem sie die hohen Steuerrück st ände unmittelbar 
nach der Ernte eintreiben läß t." 
Daß in diesem Kunstgriff, welcher nicht nur jetzt, während des 
Krieges, sondern in dauernder Praxis zur Anwendung gelangt, das Ge 
heimnis des großen russischen Exports liegt, ist von Rohrbach überzeugend 
im Anschluß an russische Schriftsteller dargelegt. Er bemerkt (S. 65): 
„Das System Witte steht und fällt mit der Erpressung der 
Bauern st euern und dem dadurch ins Werk gesetzten 
Getreideexpor t." 
Einige der Tatsachen, auf Grund deren er zu diesem Schluß ge 
langt, scheinen mir einen zwingenden Beweis zu liefern. Von 100 kg 
Ernteertrag hat in Bayern der Bauer 22 Pfennige Steuern zu be 
zahlen, der russische aber 47, also mehr als das Doppelte, wobei man 
noch berücksichtigen muß, daß der Russe für sein Getreide einen sehr 
viel geringeren Preis bekommt als der Bayer. Der Steuerdruck ist 
danach in Rußland etwa dreimal so hoch als in Bayern (Rohrbach S. 57). 
*) Nämlich der Getrettehandel.
	        
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