Full text : Russlands Bankerott

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daß  er  dafür  die  Bank  aber  zwang,  seine  Anleihen  zu  übernehmen.  Ein
großer  Unterschied  ist  das,  wie  mir  scheint,  nicht.

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Zweites  Nachwort.
(14.  Oktober  1905.)

Neue  Anleihe
in  Sicht  I

Der  korrigierte
Helfferich.

Es  kann  kaum  noch  einem  Zweifel  unterliegen,  daß  wir  vor  der
Ausgabe  einer  neuen  russischen  Anleihe  stehen.  Zu  der  Zeit,  wo  ich
diese  Zeilen  schreibe,  wird  zwar  noch  sehr  eifrig  dementiert.  Man  behauptet, ­
  durchaus  nicht  zu  wissen,  was  Herr  Witte  für  Absichten  und
die  Reise  des  Herrn  Fischel  nach  Petersburg  für  einen  Zweck  gehabt  habe.
Aber  es  hat  doch  sehr  den  Anschein,  als  ob  es  leider  trotz  aller  Bemühungen ­
  nicht  gelungen  ist,  unsere  hohe  Finanzwclt  davon  ^u  überzeugen, ­
  daß  es  zurzeit  weder  politisch  noch  finanziell  ratsam  ist,  ein
neues  russisches  Anlehen  in  Deutschland  unterzubringen.  Ob  unser  Publikum ­
  durch  die  finanzpolitischen  Diskussionen  der  letzten  Jahre  klug
geworden  ist,  um  vorläufig  die  Finger  von  russischen  Anleihen  zu
lassen,  wird  sich  erst  zu  zeigen  haben.  Ich  habe  nicht  viel  Hoffnungen,
da  das  zugkräftigste  Schlagwort  auf  seiten  der  Freunde  russischer  Anleihen ­
  steht:  „Rußland  ist  noch  niemandem  etwas  schuldig  geblieben."
Das  stimmt  zwar  nicht  ganz,  ist  aber  kurz  und  liest  sich  nett.  Das  ist
bei  jeder  Reklame  die  Hauptsache,  also  auch  bei  der  für  russische  Anleihen. ­
  Diese  zugkräftige  Reklame  kann  jetzt  auch  dadurch  sehr  wenig
abgeschwächt  werden,  daß  Herr  Professor  Helfferich,  dessen  bekannte
Darlegungen  in  der  Marinerundschau  ihre  festeste  Stütze  gebildet  haben,
jetzt  wesentlich  ruhiger  sowohl  über  die  Zukunft  der  russischen  wie  der
japanischen  Finanzen  denkt  und  diesem  Denken  nunmehr  in  demselben
Blatt,  wo  seine  Lobeshymnen  über  Rußland  und  seine  abfälligen  Kritiken
über  Japan  gestanden  haben,  Ausdruck  verleiht.  Hätte  Herr  Professor
Helfferich  das  gleiche  Maß  von  Skepsis  und  Kritik  bei  seiner  ersten
schriftlichen  Aeußerung  walten  lassen,  manche  Preßdebatte  wäre  vermieden, ­
  manche  Verführung  des  Publikums  —  die  Folgen  werden  sich
später  zeigen  —  wäre  verhindert  worden.  Herr  Helfferich  ist  geschickt
genug,  jetzt  nicht  das  Gegenteil  von  dem  zu  schreiben,  was  er  früher
schrieb.  Es  ist  auch  immerhin  anerkennenswert,  daß  er  von  seinen
Kritikern  gelernt  hat,  die  phantastischen  Zahlengebilde  des  russischen
Finanzministers  dürften  nicht  ohne  weiteres  als  bare  Münze  genommen
werden.  Und  ich  will  ihm  deshalb  auch  keinen  Vorwurf  daraus  machen,
daß  er  gerade  in  dem  Augenblick  in  seinem  Urteil  für  Rußland  vorsichtiger, ­
  für  Japan  zuversichtlicher  wird,  wo  er  vom  Deutschen  Reich,
das  am  russischen  Bündnis  interessiert  ist,  zur  Deutschen  Bank  übertritt,
die  an  Russen  gar  nicht,  dafür  aber  an  Japaner  Interesse  hat.  Es  gibt
Leute,  die  an  ihrer  Ueberzeugung  zugrunde  gehen,  und  Leute,  die
durch  ihre  Ueberzeugung  zu  den  höchsten  Gipfeln  der  Macht  empor-
            
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