Full text : Russlands Bankerott

-Äks  (Vorwort.

Rußland  nimmt  soeben  beinahe  2  Milliarden  Francs  Anleihen  im  Auslande
auf.  Damit  scheint  ein  für  alle  Mal  den  Schwarzsehern  das  Handwerk  gelegt ­
  zu  sein,  die  fori  und  fort  den  Bankerott  des  russischen  Staates  vorausgesagt ­
  haben.
Aber  es  scheint  nur  so.  Denn  die  Summen,  die  aus  dem  Erlös  der
Anleihe  erzielt  werden,  sollen  dazu  Verwendung  finden,  einen  Teil  der  -
nicht  einmal  sämtliche  —  Schulden,  die  das  russische  Reich  während  des
Krieges  und  während  der  ersten  Phase  der  Revolution  kontrahiert  hat,  zurückzuzahlen ­
  oder  zu  konsolidieren.
An  den  finanziellen  Verhältnissen  dieses  Riesenreiches  wird  dadurch  auch
nicht  das  Mindeste  geändert.  Enorme  Summen  werden  notwendig  sein,
um  das  sicher  zu  erwartende  Defizit  für  das  nächste  Jahr  zu  decken  und
dem  Lande  die  Mittel  zur  Verfügung  zu  stellen,  die  es  braucht,  volkswirtschaftlich, ­
  militärisch  und  finanzpolitisch  die  Scharten  des  Krieges  auszuwetzen.
Die  politische  Zukunft  Rußlands  liegt  völlig  in  Dunkel  gehüllt.  Wird
die  Reaktion  oder  die  Revolution  siegen?  Wird  die  Duma  gemeinsam  mit
dem  Zaren  durch  wirtschaftliche  und  politische  Reformen  das  russische  Volk
zur  Höhe  westeuropäischer  Zivilisation  führen,  oder  werden  die  treibenden  Kräfte
des  alten  Regimes  und  die  Duma  in  Gegensatz  zueinander  treten?  Und  wird
in  diesem  Falle  die  russische  Bevölkerung  es  stumpf  über  sich  ergehen  laffen,
daß  uian  die  von  ihr  erwählte  parlamentarische  Vertretung  womöglich  mit
Waffengewalt  auseinanderjagt,  oder  wird  nach  dem  Vorbilde  der  französischen
Revolution  die  oppositionelle  Duma  zum  Kristallisationspunkt  der  großen
Revolution  werden,  die  der  Herrschaft  der  Romanows  ein  schmähliches  Ende
bereitet?  Auf  diese  Fragen  heute  eine  bestimmte  Antwort  geben  zu  wollen,
wäre  tollkühn.  Da  können  nur  Meinungen  und  allgemeine  hislorische  Gesichtspunkte ­
  geltend  gemacht  werden,  die  im  besten  Falle  sehr  viel  Wahrscheinlichkeit, ­
  niemals  aber  wissenschaftliche.Beweiskraft  für  sich  in  Anspruch
nehmen  können.
.Anders  ist  es  dagegen  um  die  finanziellen  Voraussagen  bestellt.  Daß
Rußland  weiter  große  Mittel  brauchen  wird,  kann  niemand  bestreiten.  Das
Reich  hat  sich  seinen  jetzigen  Geldgebern  gegenüber  verpflichtet,  innerhalb
            
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