Full text : Russlands Bankerott

48

Das  Testament ­
  Peters
des  Großen

planloser  Abenteurerlust.  Aber  der  seine
schützende  Hand  über  ihm  hielt,  der  schlaue
Murawiew/  wußte  ganz  genau,  was  er  tat,
als  er  den  Jüngling  anstachelte,  die  teuren
Lorbeeren  des  Entdeckers  und  Eroberers  zu
pflücken.
Es  ist  Torheit,  das  planmäßige  Vordringen
der  Russen  nach  Asien  als  Ausfluß  eines  kindischen ­
  Gelüstes  nach  politischer  Machtentfaltung
anzusehen.  Wer  so  denkt,  sieht  nur  die  Hast,
mit  der  das  Russische  Reich  am  Stillen  Ozean
einen  Stützpunkt  nach  dem  anderen  für  seinen
Entscheidungskampf  mit  dem  englischen  Rivalen
zu  ergattern  sucht.  Aber  er  hält  etwas  für  die
Grundursache,  was  lediglich  Symptom  ist.
Auch  über  der  russischen  Politik  schwingt  die
wirtschaftliche  Notwendigkeit  ihre  antreibende
Geißel,  und  lediglich,  weil  er  diese  Notwendigkeit ­
  durchschaute,  betrieb  Murawiew  den  Kamps
um  die  Amurmündung  mit  so  rastloser  Energie.
Der  Zar  geruhte,  seine  Handlungsweise  zu  genehmigen, ­
  er  geruhte,  später  seinem  Reiche
Sachalin  anzugliedern,  von  der  Mandschurei
Besitz  zu  ergreifen  und  allerhöchst  sein  Auge  auf
die  Halbinsel  Korea  zu  werfen.  Und  seine
Lakaien  mögen  ihm  einreden,  daß  all  diese
Schritte  seiner  Initiative  entspringen,  von
seinem  Wunsch  und  Willen  abhängen.  Und
doch  vollstreckt  er  nur  den  letzten  Willen  eines
Größeren:  das  Testament  des  großen  Peter.
Als  die  Abberufung  des  japanischen  Gesandten ­
  aus  Petersburg  erfolgte,  las  man  in
der  russischen  Presse  das  Wort  von  der  „asiatischen ­
  Tücke".  Unwillkürlich  faßte  man  sich
an  den  Kops:  War  es  ein  russisches  Blatt,  das
so  schrieb,  das  so  schreiben  durfte  unter  der
Aufsicht  einer  Regierung,  deren  hauptsächlichste
Ländermacht  von  jeher  auf  dem  asiatischen
Kontinent  gelegen  hatte?  Aber  das  anscheinend
so  Wunderbare  verliert  sofort  diesen  Charakter,
wenn  man  an  das  Vermächtnis  Peters  denkt.
Er  hatte  seinem  Volk  das  Tor  nach  Westen  geöffnet, ­
  und  sein  sehnlichster  Wunsch  war,  sich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.