Full text: Russlands Bankerott

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Das Testa 
ment Peters 
des Großen 
planloser Abenteurerlust. Aber der seine 
schützende Hand über ihm hielt, der schlaue 
Murawiew/ wußte ganz genau, was er tat, 
als er den Jüngling anstachelte, die teuren 
Lorbeeren des Entdeckers und Eroberers zu 
pflücken. 
Es ist Torheit, das planmäßige Vordringen 
der Russen nach Asien als Ausfluß eines kin 
dischen Gelüstes nach politischer Machtentfaltung 
anzusehen. Wer so denkt, sieht nur die Hast, 
mit der das Russische Reich am Stillen Ozean 
einen Stützpunkt nach dem anderen für seinen 
Entscheidungskampf mit dem englischen Rivalen 
zu ergattern sucht. Aber er hält etwas für die 
Grundursache, was lediglich Symptom ist. 
Auch über der russischen Politik schwingt die 
wirtschaftliche Notwendigkeit ihre antreibende 
Geißel, und lediglich, weil er diese Notwendig 
keit durchschaute, betrieb Murawiew den Kamps 
um die Amurmündung mit so rastloser Energie. 
Der Zar geruhte, seine Handlungsweise zu ge 
nehmigen, er geruhte, später seinem Reiche 
Sachalin anzugliedern, von der Mandschurei 
Besitz zu ergreifen und allerhöchst sein Auge auf 
die Halbinsel Korea zu werfen. Und seine 
Lakaien mögen ihm einreden, daß all diese 
Schritte seiner Initiative entspringen, von 
seinem Wunsch und Willen abhängen. Und 
doch vollstreckt er nur den letzten Willen eines 
Größeren: das Testament des großen Peter. 
Als die Abberufung des japanischen Ge 
sandten aus Petersburg erfolgte, las man in 
der russischen Presse das Wort von der „asia 
tischen Tücke". Unwillkürlich faßte man sich 
an den Kops: War es ein russisches Blatt, das 
so schrieb, das so schreiben durfte unter der 
Aufsicht einer Regierung, deren hauptsächlichste 
Ländermacht von jeher auf dem asiatischen 
Kontinent gelegen hatte? Aber das anscheinend 
so Wunderbare verliert sofort diesen Charakter, 
wenn man an das Vermächtnis Peters denkt. 
Er hatte seinem Volk das Tor nach Westen ge 
öffnet, und sein sehnlichster Wunsch war, sich
	        
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