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Rußland lebt
vom Pump
Industrie-
züchtung und
Goldwährung
Witte und seine Finanzwirtschaft in bengalischer
Beleuchtung produziert wurden. Am 17.März 1902
begrüßte ein hiesiges Börsenblatt die Emission
von 393 Millionen Mark russischer Staatsrente
mit folgendem Lobgesang: „Wenn man sich er
innert, welch große Rolle die russischen Anleihen
früher an der Berliner Börse gespielt haben,
und welch bedeutende Gewinne das deutsche
Kapitalistenpublikum daran erzielt hat, so wird
man die Wiedereröffnung des deutschen Marktes
für direkte russische Staatsanleihen mit lebhafter
Befriedigung begrüßen können." So sang man,
nur schwieg der Sänger Höflichkeit davon, daß
bereits seit einem Dezennium Jahr für Jahr
die deutschen Sparer Millionen von russischen
Eisenbahnobligationen gekauft hatten. Und man
wird im Herbst 1904 wieder so singen.
Ich habe wiederholt darauf hingewiesen,
daß die finanzielle Situation Rußlands eine
unheimliche ist. Der viel gepriesene russische
Reichtum gleicht den Schätzen des Spekulanten,
der sein gesamtes disponibles Vermögen in
Terrains festgelegt hat und wegen eines fälligen
Wechsels von tausend Mark den Konkurs an
melden muß. Rußland hat sich nur deshalb
noch nicht bankerott erklären brauchen, weilseine
Gläubiger ihm nicht nur ständig das Geld zur
Einlösung von neuem wieder borgen, sondern
ihm sogar immer noch etwas dazu zu schenken
pflegen. Rußland lebt vom Pump.
Und Sergej Juljewitsch Witte ist es, der
das Reich aus diese Bahn gedrängt hat. Aus
zwei Quellen, die beide Wittes Namen tragen,
kommt Rußlands Not! Millionen und Milliarden
haben die kostspieligen Bahnbauten verschlungen.
Bei ihnen allen aber war nicht die Schaffung
einer besseren Kommunikation zwischen den
Ackerdistrikten und den Landesgrenzen, zwischen
den metallischen Schatzkammern des Bodens
und den der Verarbeitung harrenden Industrie-
stätten der leitende Gedanke. Suprema lex war
die strategische Wertschätzung. Die zweite Quelle
war der Wittesche Irrglaube, durch hohe Zölle