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Man muß die Gelegenheit beim Schopfe fassen,
solange es überhaupt noch Geld gibt. Ich
würde es, wenn ich das Ausland wäre — das
bleibt natürlich unter uns — selbst für 7°/ 0
nicht gemacht haben. Ich möchte einmal sehen,
ob die Herren Finanzleute in ihrem Vaterlande
einem Menschen, der nichts als eine falsche
Bilanz sein eigen nennt, um 6'/ 3 % Zinsen Geld
borgen. Die sollten nur in unsere Kassen gucken.
Sie bestaunen unseren Goldvorrat, den wir ge
rade vorher in Paris gepumpt haben. Der wäre
natürlich schon futsch, wenn wir nicht die Sache
mit den kleinen Rubelnoten und den großenKredit-
billets erfunden hätten. Witte war doch eigent
lich ein famoser Kerl. Hat es richtig verstanden,
Was ist rus- der Welt das Märchen vom russischen Kultur
sische Kultur? aufzubinden. War allerdings gar nicht
so schwer: Kultur ist, wenn man Bahnen baut,
Industrie pflanzt und Geld pumpt. Bloß nicht
bescheiden leben. Das ist immer ein Zeichen
von Rückständigkeit. Wir haben eben Kultur.
Und deshalb glaubt man uns die Geschichte
mit den Rubelnoten, meint, unsere braven
Staatskinder dürften zwischen Papier und Gold
wählen und verzichten aufs Gold aus unend
lichem Vertrauen zu uns. Wenn die wüßten,
daß „Papier oder Knute?" die Parole heißt.
Aber sie wissen gar nichts. Glauben anscheinend
doch sogar die Finte in meinen! letzten Bericht
über die Diskont- und Vorschußoperationen der
Reichsbank. Die sind im letzten Jahr um 10 Mil
lionen Rubel gestiegen. Ich beweise daraus,
„wie wenig der gegenwärtige Krieg bisher den
russischen Geschäftsverkehr behindert hat". Ein
seiner Geschäftsverkehr. Lauter prolongierte
Wechsel habe ich im Portefeuille. Aller Welt
muß die Bank unter die Arme greifen. Und
die Tölpel glauben, das sei reeller Handel.
Ein Glück, daß Nicolai sich nicht hat breit
schlagen lassen, den Semstwos öffentliche Budget
beratung zu gestatten. Das fehlte gerade noch,
Prämien auf die Vorlauten zu setzen. Frech
heit! Muß alles Geheimnis bleiben. Nichts