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Die neue Lesart
der Kreuzzeitung
stellen. Daß es heimlich doch geschieht, daraus
läßt die außerordentliche Geldflüssigkeit an der
Berliner Börse beinahe schließen, denn sie ist
angesichts der großen Jnanspruchttahme der
Reichsbank nur als künstliche Stimmungsmache
zu erklären."
Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung, Börsenwochenbericht
vom 31.Dezember; „Das wichtigste
Ereignis der Woche ist der Abschluß der neuen
russischen Anleihe von 500 Millionen Mark,
die in erster Linie für den deutschen Markt berechnet
ist. Man war zwar daraus gefaßt,
zweifelte aber noch, ob es eine Renten- oder
eine Schatzschein-Anleihe sein werde, und man
ist einigermaßen überrascht durch die jetzt bekannt
gewordene ingeniöse Vereinigung beider
Anleihetypen Es ist selbstverständlich
nicht unsere Ausgabe, zum Ankauf dieser neuen
Papiere zu raten, oder davor zu warnen. Wir
empfehlen grundsätzlich nur die in Preußen
tnündelsicheren Papiere, für die der Staat
direkte oder indirekte Garantien geschaffen hat.
Aber die politische Bedeutung der neuen Anleihe
können wir nicht gering anschlagen. Auf
der einen Seite bezeichnet es ein sehr weites
Entgegenkommen der Reichsregierung, daß sie
sich zu dieser Anleihe freundlich stellt in einer
Zeit, da das Deutsche Reich und die Einzelstaaten
selbst uiiter den Schwierigkeiten des
Anleihemarktes zu leiden haben und sich mit
der Ausgabe von Schatzanweisungen behelfen
müssen. Wir haben wiederholt auf die Konkurrenz
aufmerksam gemacht, die den heimischen
Fonds gerade ausdenrussischenAnleihenerwächst;
ein großer Apparat ist in der Kursregulierung
dieser Anleihen tätig; ihre Verzinsung ist zwar
etivas höher als die der preußischen Konsuls, aber
der Kurs entspricht doch mehr den bescheidenen
Rentabilitätsansprüchen der Franzosen als der
ärmeren Deutschen und drückt auf den Kurs
unserer Staatspapiere. So ist in der Tat die
Fürsorge, die jetzt von unserer Regierung in
loyalster Befolgung der Nordemeyer Verab-