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ausgebeutet werden sollte. Aber auch das verfing
nicht. Die Finanzherren kehrten unverrichteter
Sache dem Lande, das in Hellem Aufruhr
entflammte, den Rücken.
Und es ist gut so. Der internationalen
Kapitalistenwelt bleibt somit Zeit und Muße,
die Zukunftschancen russischer Anleihen abzuwägen.
Die alte, seit dem Beginn dieses Jahres
immer dringender mahnende Frage taucht
wieder auf: Wird Rußland imstande sein, die
Zinsen seiner Anleihen für die Dauer zu bezahlen?
Aber die Zeit heilt nicht nur Wunden,
sie kann auch die Wunden zu nimmer schließbaren
ausweiten. Solch Fall liegt hier vor.
Vor Monaten noch stand nur fest, daß das
bisherige Regime allein dann in der Lage sein
werde, vorläufig die Zinszahlungen ausrecht zu
erhalten, wenn das Ausland ihm ständig neue
Goldquellen durch Gewährung von neuen
Anleihen zu erschließen bereit sei. Dabei
blieb die — freilich schwache — Hoffnung,
daß durch die Gewährung liberaler Reformen,
durch eine parlamentarische Kontrolle und die
allmähliche völlige Umgestaltung der russischen
Wirtschaftsverfassung langsam die Basis geschaffen
wurde, die eine so riesenhafte Schuldenlast
zu tragen vermag.
Allein diese Hoffnungen sind geschwunden.
Der Kaiser hat den richtigen Moment verpaßt,
um dem Volke Geschenke machen zu können.
Mag sich die Börse nur an die Erwartung
klammern, daß die zugestandene Verfassung die
Wogen der russischen Volksbewegung beruhigen
wird. Die Geschichte fällt über solche Leichtgläubigkeit
ihr Verdikt. Sie lehrt uns als
typisches Merkmal der großen Revolutionen,
daß der einmal entfesselte Sturm sich nicht
wieder in die Schläuche zurückkommandieren
läßt. Jetzt gibt es keine geschenkweise friedliche
Reform mehr. Die gesetzgebende Duma ist dem
Kaiser abgetrotzt; hat sie erst einmal zu tagen
begonnen, so entwickelt sie sich in der Richtung
weiter, wie sie muß, zum selbständigen Organ
Kann Rußland
dauernd
Zinsen zahlen?
Das Schwanken
des Zaren