Full text: Russlands Bankerott

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furor asiaticus 
DaS Geheim 
nis der Lambs 
dorff-Depesche 
des Grafen Lambsdorff. Sehr wahrscheinlich. 
Und doch spricht so manches dagegen. Vor 
allem die Ueberraschung, die die Entscheidung 
der deutschen Regierung sichtlich in Petersburg 
hervorgerufen hat. Mußte es denn nicht der 
russischen Regierung sofort klar sein, daß die 
ebenso plumpe wie schroffe Art, in der Gras 
Cassini angewiesen wurde, sich auf die Seite 
Frankreichs zu stellen, in Deutschland eine tiefe 
Erbitterung wachrufen und die deutsche Re 
gierung zu Gegenmaßregeln herausfordern 
würde? Ja, bedeutete denn die berüchtigte 
Depesche nicht geradezu einen Verzicht auf 
Deutschlands finanzielle Beihilfe und die Bitte 
um Unterstützung an Frankreich? Woher also 
die Berechtigung zu dem lnror asiations, der 
plötzlich einen Teil der russischen Presse ergriff, 
als die deutsche Ablehnung in Petersburg 
bekannt wurde? Ja, ein russisches Blatt, das 
notorisch dem Grafen Witte sehr nahe steht, 
schalt sogar Deutschland undankbar? Deutsch 
land undankbar? Wofür schuldete das Deutsche 
Reich denn Rußland Dank? Wir haben dem 
russischen Reich eine tolle finanzielle Reklame 
gemacht, haben durch unsere — schon mehr als 
wohlwollende — Neutralität es vor dem 
völligen Ruin geschützt, haben seinen politischen 
Flüchtlingen nicht nur das Asyl verweigert, 
sondern sie sogar den Häschern des zarischen 
Absolutismus in die Arme gelegt, und da 
sollten wir dankbar sein? Dem Laienverstand 
ist solche Forderung unfaßbar, unfaßbar 
vollends, nachdem sich Rußland für diese Liebes 
beweise mit einem Fußtritt revanchiert hat. 
Oder war es kein Fußtritt? Es hat Leute 
gegeben, die sofort nach der Affäre erklärten, 
den deutschen Diplomaten sei die Lambsdorff- 
Depesche nicht ungelegen gekommen, da sie 
einer heiklen und vielen sehr bedrohlich er 
scheinenden Situation jäh das Ende be 
reitet habe, das mit einem Schlage aus allen 
Wirrnissen führte. Ja, in Petersburg scheint 
man — nach den Andeutungen des Witte-
	        
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