Full text: Das kommunistische Manifest

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Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit be 
endigt, daß er seinen Arbeitslohn baar ansgezahlt erhält, so fallen die 
anderen Theils der Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der 
Krämer, der Pfandleiher u. st w. 
Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen Industriellen, Kauf 
leute und Rentiers, die Handwerker und Bauern, alle diese Klassen 
fallen ins Proletariat hinab, theils dadurch, daß ihr kleines Kapital 
für den Betrieb der großen Industrie nicht ausreicht und der Konkur 
renz mit den größeren Kapitalisten erliegt, theils dadurch, daß ihre Ge 
schicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwerthet wird. So rekrutirt 
sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung. 
Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein 
Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz. 
Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer 
Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen 
den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre An 
griffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse,. sie richten 
sie gegen die Produktions-Instrumente selbst; sie vernichten die fremden 
konkurrirenden Waaren, sie zerschlagen die Maschinen, sie stecken die 
Fabriken in Brand, sie suchen die untergegangene Stellung des mittel 
alterlichen Arbeiters wieder zu erringen. 
Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land zer 
streute und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse. Massenhaftes Zu 
sammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Ver 
einigung, sondern die Folge der Bereinigung der Bourgeoisie, die zur 
Erreichung ihrer eigenen politischen Zwecke das ganze Proletariat in 
Bewegung setzen muß und es einstweilen noch kann. Auf dieser Stufe 
bekämpfen die Proletarier also nicht ihre Feinde, sondern die Feinde 
ihrer Feinde, die Reste der absoluten Monarchie, die Grundeigenthümer, 
die nichtindnstriellen Bourgeois, die Kleinbürger. Die ganze geschichtliche 
Bewegung ist so in den Händen der Bourgeoisie konzentrirt; jeder Sieg, 
der so errungen wird, ist ein Steg der Bourgeoisie. 
Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das 
Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, seine Kraft 
wächst und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die Lebenslagen inner 
halb des Proletariats gleichen sich immer mehr ans, indem die Maschi 
nerie mehr und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn 
fast überall auf ein gleich niedriges Niveau herabdriickt. Die wachsende 
Konkurrenz der Bourgeois unter sich und die daraus hervorgehenden 
Handelskrisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die 
immer rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschi 
nerie macht ihre ganze Lebensstellung immer unsicherer; immer mehr 
nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem ein 
zelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die 
Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeois zu bilden; 
sie treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften 
selbst dauernde Assoziationen, um sich für die gelegentlichen Empörungen 
zu verproviantireu. Stellenweis bricht der Kampf in Ementen aus. 
Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das 
eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, 
sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie
	        
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