Full text : Das kommunistische Manifest

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Er  bildete  die  süßliche  Ergänzung  zu  den  bitteren  Peitschenhieben  und
Flintenkngeln,  womit  dieselben  Regierungen  die  deutschen  Arbeiter-Aufstände ­
  bearbeiteten.
Ward  der  „wahre"  Sozialismus  dergestalt  eine  Waffe  in  der  Hand
der  Regierungen  gegen  die  deutsche  Bourgeoisie,  so  vertrat  er  auch
unmittelbar  ein  reaktionäres  Interesse,  das  Interesse  der  deutschen
Pfahlbürgerschaft.  In  Deutschland  bildet  das  vom  16.  Jahrhundert
her  überlieferte  und  seit  der  Zeit  in  verschiedener  Form  hier  immer
neu  wieder  auftauchende  Kleinbürgerthum  die  eigentliche  gesellschaftliche
Grundlage  der  bestehenden  Zustände.
Seine  Erhaltung  ist  die  Erhaltung  der  bestehenden  deutschen  Zustände. ­
  Von  der  industriellen  und  politischen  Herrschaft  der  Bourgeoisie ­
  fürchtet  es  den  sichern  Untergang,  einerseits  in  Folge  der
Konzentration  des  Kapitals,  andrerseits  durch  das  Aufkommen  eines
revolutionären  Proletariats.  Der  „wahre"  Sozialismus  schien  ihm
beide  Fliegen  mit  einer  Klappe  zu  schlagen.  Er  verbreitete  sich  wie  eine
Epidemie.
Das  Gewand,  gewirkt  aus  spekulativem  Spinnweb,  überstickt  mit
schöngeistigen  Redeblumen,  durchtränkt  von  liebesschwülem  Gemiithsthan,
dies  überschwängliche  Gewand,  worin  die  deutschen  Sozialisten  ihre  paar
knöchernen  „ewigen  Wahrheiten"  einhüllten,  vermehrte  nur  den  Absatz
ihrer  Waare  bei  diesem  Publikum.
Seinerseits  erkannte  der  deutsche  Sozialismus  immer  mehr  seinen
Beruf,  der  hochtrabende  Vertreter  dieser  Pfahlbürgerschaft  zu  sei».
Er  proklamirte  die  deutsche  Nation  als  die  normale  Nation  und  den
deutschen  Spießbürger  als  den  Normal-Menschen.  Er  gab  jeder  Niedertracht ­
  desselben  einen  verborgenen,  höheren,  sozialistischen  Sinn,  worin
sie  ihr  Gegentheil  bedeutete.  Er  zog  die  letzte  Konsequenz,  indem  er
direkt  gegen  die  „rohdestrnktive"  Richtung  des  Kommunismus  auftrat,
und  seine  unparteiische  Erhabenheit  über  alle  Klassenkämpfe  verkündete.
Mit  sehr  wenigen  Ausnahmen  gehört  alles,  was  in  Deutschland  von
angeblich  sozialistischen  und  kommunistischen  Schriften  zirkulirt,  in  den
Bereich  dieser  schmutzige»,  entnervenden  Literatur.*)
2)  Der  konservative  oder  Bourgeois-Sozialismus.
Ein  Theil  der  Bourgeoisie  wünscht  den  sozialen  Mißständen  abzuhelfen, ­
  um  den  Bestand  der  bürgerlichen  Gesellschaft  zu  sichern»
Es  gehören  Hierher:  Oekonomisten,  Philantropen,  Humanitäre,  Verbesserer ­
  der  Lage  der  arbeitenden  Klassen,  Wohlthätigkeits-Organisirer,
Abschaffer  der  Thierqnälerei,  Mäßigkeits-Vereinsstifter,  Winkelreformer
der  buntscheckigsten  Art.  Und  auch  zu  ganzen  Systemen  ist  dieser  Bonrgeoissozialismus
  ausgearbeitet  worden.
Als  Beispiel  führen  wir  Prondhon's  kbilosoxbie  cke  la  Misere  an.
Die  sozialistischen  Bourgeois  wollen  die  Lebensbedingnngen  der  modernen ­
  Gesellschaft  ohne  die  nothwendig  daraus  hervorgehenden  Kämpfe
und  Gefahren.  Sie  wollen  die  bestehende  Gesellschaft  mit  Abzug  der

*)  Der  Revolntionssturm  von  1848  hat  diese  gesammte  schäbige
Richtung  lveggefegt  und  ihren  Trägern  die  Lust  benommen,  noch  weiter
in  Sozialismus  zu  machen.  Hanptvertreter  und  klassischer  Typus  dieser
Richtung  ist  Herr  Karl  Grün.
            
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