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Anhang.
i.
Ein sächsischer Kleinbraner über die Braustenererhöhung.
(Aus dem Dresdener Anzeiger).
Am 10. Dezember hat in Berlin, wie auch kürzlich in
Dresden, eine Protestversammlung von mehr als 2000
Brauereivertretern gegen die Einführung der geplanten Brau-
steuererh ühung stattgefunden. Aus der einmütig gefaßten
Resolution geht klar hervor, daß durch den „Staffel"-Taris
erstens die Kleinbranereien nicht entlastet, sondern belastet
werden, und zweitens, daß die Großbrauereien die Erhöhung
ebenfalls nicht tragen können, also eine Abwälzung der er
höhten Steuer auf die Wirte und von diesen wieder auf die
Konsumenten stattfinden wird. Die Steuer im Norddeutschen
Brausteuergebiet brachte 1873 16 Millionen, 1903 81 559 775
Mark, sie hat sich mithin in 30 Jahren verdoppelt. Noch am
13. März v. I. erklärte Freiherr von Stengel, daß er die
Steuerleistung der Brauer um 9 bis 13 Millionen zu er
höhen beabsichtige. Und nun soll auf einmal eine Erhöhung
um 60 Millionen vor sich gehen, die ganze Brausteuer soll etwa
94 Millionen bringen. Sechsmal ist eine geplante Erhöhung dank
der Weisheit des Reichstages abgelehnt worden, und seit 1873
haben sich unsere Verhältnisse ungemein verschlechtert. Wohl
leugnen wir nicht die großartigen Fortschritte unseres Ge
werbes, aber der Segen der wissenschaftlichen und technischen
Errungenschaften ist in anderer Weise verloren gegangen, er
ist vollkommen aufgezehrt vom Konkurrenzkampf, von der
Überwucherung des Großbetriebes und — von der inzwischen
fast aus jedem Dorfe eingeführten Biersteuer!
Die große Masse der Bevölkerung glaubt, durch das
neue Gesetz, durch einen Staffeltarif solle die Kleinbrauerei
gefördert und gestärkt werden! Die Staffelung ist ja
gekommen, aber mit welchem Erfolge? Um Tausende von
Brauereien hat sich das Braugewerbe vermindert. 1873 gab
es 13 561, 1903 nur noch 6404. Dabei ist die Biererzeugung
von 19 654 903 hl auf 43 360 594 hl im Jahre 1903 ge
stiegen; also sind über 7000 Brauereien — natürlich meist
kleinere — eingegangen!