Full text: Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

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Seit 13 Jahren sind Deutschlands Kleinbrauer bemüht, 
eine Staffelung des Brausteuertarifes herbeizuführen, derart, 
daß sie dem an Betriebskapital und infolge der ganzen Eigen 
art des Braugewerbes ihm weit überlegenen Großbrauer 
gegenüber wenigstens einigermaßen gerecht behandelt würden. 
Bisher werden von allen Brauereien pro Doppelzentner 
Malz 4 Mk. erhoben; die neue Brausteuervorlage verlangt 
von den kleinsten Betrieben 7 Mk., von den größeren 8 bis 
12 Mk. und von den größten J 2,50 Mk. Der Kleinbrauer 
bezahlt jetzt 4 Mk. Pro 100 kg-; geplant (von der Regierung 
„erwogen") werden 3,25 Mk. pro 100 kg für kleinste Betriebe; 
in der neuen Vorlage projektiert: 7 Mk. pro 100 kg. Um 
dem Leser ein Beispiel zu geben: Eine kleine Stadtbrauerei, 
die 400 Zentner Malz verbraut und davon 2000 lll einfaches 
Bier erzeugt, wird dabei noch vorausgesetzt, daß sie keine 
Einbuße erleidet - etwa 12 000 Mk. rohen Ertrag haben. 
Sie bezahlt zurzeit 800 Mk. Brausteuer, sie hoffte, nach der 
Staffelung nur noch 650 Mk. zu entrichten, und nunmehr 
würde sie — 1400 Mk., also noch 600 Mk. mehr als jetzt, 
zahlen müssen. An kommunaler Biersteuer hat dieselbe 
Brauerei aüßerdem etwa 450 bis 500 Mk. zu entrichten! 
Wie gerechtfertigt eine Staffelung wäre, ist daraus ersichtlich, 
daß eine Lagerbierbrauerei wohl genau dieselbe Steuer be 
zahlen muß, aber einen Ertrag — Verhältnis Lagerbier zu 
Einfachbier —, dasselbe Quantum Malz angenommen, von 
etwa 15 000 Mk. haben würde. Diese Zahlen sprechen eine 
sehr ernste Sprache! Ich bin jedoch auch gerecht genug, an 
zuerkennen, daß uns Kleinbrauern den Großbetrieben gegen 
über auch manche Vorteile erwachsen, die diese nicht haben, 
und daß andererseits manche nachteiligen Erscheinungen 
unseres Gewerbes dort viel stärker hervortreten, als bei uns. 
Zum Beispiel betreiben viele Kleinbrauer Nebengewerbe: Land 
wirtschaft, Gastwirtschaft, Handel usw.; unsere Kundschaft, unser 
Risiko ist übersichtlicher, die Löhne sind niedriger und der Ver 
waltungsaufwand ist viel geringer. Auch die Wahrheit der 
Redensart, der Kleinbrauer könne heute nicht mehr bestehen, 
kann ich nur beschränkt anerkennen, sie ist zum großen Teil 
nicht zutreffend, weil die wissenschaftliche Ausbildung uns 
Kleinbrauer befähigt, ein ebenso gutes Bier herzustellen und 
eine fast ebenso rationelle Wirtschaft wie im Großbetriebe zu 
führen. Bei geschickter Leitung und im Hinblick aus die 
Nebengewerbe — gute Fundierung und Absatzgebiet voraus 
gesetzt — sind Kleinbrauer sehr wohl in der Lage, gleich 
gute wirtschaftliche Ergebnisse und technische Ausbeute zu er 
zielen wie Großbrauer. Die Resignation vieler Kleinbrauer 
und der unausgesprochene Gedankengang der Steuervorlage, 
„der Kleinbrauer gehe doch seinem Schicksal entgegen", sind 
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