Full text : Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

50

zu  verwerfen,  weil  sie  unzutreffend  sind.  Je  mehr  selbständige ­
  Betriebe  erhalten  bleiben,  desto  mehr  Nutzen  geht
auf  den  Mittelstand,  auf  die  mit  den  erhaltenen  Betrieben
verbundenen  Nebengewerbe  —  Handwerker,  Arbeiter  usw.  —
über.  Möchte  die  Regierung  diesen  Gesichtspunkt  in  Zukunft
zum  Segen  des  Kleinbrauers  beherzigen!
Was  die  Großbetriebe  anbelangt,  so  gebe  ich  gern  zu:
Es  gibt  zahlreiche  Aktienbrauereien,  die  eine  sehr  hohe  Dividende ­
  zahlen,  und  namentlich  in  Sachsen  gibt  es  einige  sehr
rentable  Betriebe,  die  seit  mehr  als  20  Jahren  2ö  bis  40  pCt.
Dividende  oder  ähnliche  Gewinne  verteilen.  Man  darf  aber
doch  das  Kind  nicht  mit  dem  Bade  ausschütten  und  wegen
einzelner  Betriebe  nicht  die  Objektivität  im  Urteil  über  die
Existenzfrage  eines  großen  Gewerbes  verlieren.  Zu  verurteilen ­
  ist  es,  wenn  in  solchen  Zeiten  Preßorgane  in
hämischer  Weise  über  die  Brauindustrie  herfallen  und  teils
aus  egoistischen  Gründen,  teils  aus  prinzipieller  Alkoholgegnerschaft, ­
  teils  aus  bösartigem  Übelwollen  von  „Dividendenbrühe", ­
  „Güte  und  Preise  des  Wassers",  „dem  Volke  den  Bierpreis ­
  diktieren"  und  anderem  sprechen.  Das  ist  ein  schlimmes
Zeichen  für  die  Art  und  Weise,  wie  von  gewisser  Seite  der
wirtschaftlich-politische  Jnteressenkampf  gegen  eine  alte,  achtbare ­
  Industrie  geführt  wird.  Daß  die  geplante  Brausteuererhöhung ­
  tatsächlich  in  keinem  Verhältnis  zu  der  erwiesenen
Rentabilität  des  deutschen  Braugewerbes  steht,  mögen  den
Leser  folgende  Beispiele  lehren:  Die  größte  Brauerei  Deutschlauds
  ist  die  Schultheiß'  Brauerei  in  Berlin.  Sie  hatte  im
Vorjahre  einen  Absatz  von  1  134  462  hl  Bier  und  entrichtete
986  448  Mark  Brausteuer;  nach  der  Vorlage  würde  sie
3  075  024  Mk.,  also  2  088  537  Mk.  mehr,  bezahlen  müssen.
Sic  hat  im  letzten  Jahre  die  ansehnliche  Dividende  von  18  pCt.
(über  2  Mill.  Mark)  ausgeschüttet;  würde  die  Steuer  schon
bestanden  haben,  so  hätte  sie  nur  0,7  pCt.  Dividende  zahlen
können.  Ähnlich  folgende  Beispiele:

Brauerei

Letzte
Brausteuer ­

Mk.

Zukünftige ­

Brausteuer ­

Mk.

Also
mehr
Mk.

Letzte
Dividende
pCt.

Zukünftige ­

Dividende
pCt.

Ponarth,  Königsberg ­


166  086

511  275

335  189

18

0,7

Holstenbrauerei,
Hamburg.  .  .

82  520

250  125

167  605

10

0,0

Die  letztere  Brauerei  hätte  sogar  150  000  Mk.  Unterbilanz.
Um  noch  ein  Dresdener  Beispiel  anzuführen:  Die  unter  ganz
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.