Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. 31
Zuspruchs erfreuen. Für diese Abende werden auch bewährte, ja berühmte Künstler und
Redner von auswärts mit herangezogen. Die Fabrikzeitschrift „Die Erholung“, die in
einer Auflage von 4000 Exemplaren erscheint, ist das geistige Band zwischen Veranstaltern
und Teilnehmern der Bildungseinrichtungen. In ihr werden nicht nur Programme und
aufklärende Artikel, sondern auch Kritiken und Vorschläge veröffentlicht. Die Leitung
der Zeitschrift „Erholung“ gehört gleichfalls zu den Aufgaben der „Zentralstelle“, und es
muß jeder Unparteiische bestätigen, daß der Inhalt dieses Organs wohl geeignet ist, die
Bildung der Leser zu fördern. —- Da das Interesse an fremden Sprachen unter den Werks
angehörigen sich mehrfach geltend machte, so begründete die „Zentralstelle“ im Mai 1911
eine Sprachvereinigung, die bereits am Schlüsse des ersten Jahres 195 ordentliche
und 32 außerordentliche Mitglieder zählte. Zum Eintritt sind sämtliche Werksangehörige
und ihre Familienangehörigen berechtigt. Im ersten Sommersemester fanden sechs englische
Kurse (63 Teilnehmer) und fünf französische Kurse (71 Teilnehmer) statt. Mit 55 resp.
54 Teilnehmern wurden diese Kurse im Winter fortgesetzt, auch wurde noch ein italienischer
Kursus angereiht, der 15 Teilnehmer fand. Die fremdsprachlichen Konversationsabende
wurden durchschnittlich von 20—25 Personen besucht. Außerdem fanden in der Sprach
vereinigung noch sechs größere Veranstaltungen, darunter drei Mitgliederabende mit
Vorträgen, statt. Die Vereinigung hat aus eigenen Mitteln auf sechs fremdsprachliche
Journale abonniert. -—■ Der Ausschuß geht auch den übrigen Vereinen der Fabrik mit Rat
und Tat an die Hand.
Zu den weiteren Bildungseinrichtungen der Farbenfabriken gehören die Bibliothek
und die Lesehalle. Erstere hatte 1911 einen Bestand von 14274 Bänden. An der Be
nutzung von 92 201 entliehenen Büchern beteiligten sich 54 % der sämtlichen Werks
angehörigen und zwar 95% % der Beamten und 45 % der Arbeiter. Für den Bildungsstand
der Entleiher ist bezeichnend, daß neben der naturgemäßen höheren Inanspruchnahme
der belletristischen Literatur (50%) und der Jugendschriften (15%), 35% der Aus
leihungen auf die wissenschaftliche Literatur entfielen. Wenn Ganghofer und
Rudolf Herzog zu den meistgelesenen Schriftstellern der Unterhaltungsliteratur gehören,
so zeugen die von der Zentralstelle angestellten erfolgreichen Bemühungen, die Genannten
auch zu mündlichen Vorträgen zu gewinnen, von einer besonders feinsinnigen Auffassung
ihrer Aufgabe. — In der Lesehalle liegen nicht weniger als 122 Zeitschriften sowie
15 Tageblätter aus.
Die Kinderlesehalle ist eine weitere neue Schöpfung für Bildungszwecke. Sie
wurde im November 1911 mit einem ungeahnt großen Erfolg eröffnet. Sie wird von
Bibliothekarinnen geleitet, welche den Kindern auch Märchen erzählen, Bilderbücher zeigen
und Lieder mit ihnen singen. Eine eigene Kinderbibliothek von 500 Bänden wurde
hinzugefügt. Von Mitte November bis Dezember 1911 wurden bereits 321 Leihkarten
für die Kinderbibliothek ausgegeben und über 900 Bücher an die Kinder verliehen. Die
Lesehalle ist Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von n—12, y 2 1—y 2 z und von
4—10 Uhr abends geöffnet. Am Montag, Mittwoch und Freitag ist sie von 4—10 Uhr ge
öffnet, an Sonntagen von 10—12 und von 3—10 Uhr. Am Dienstag und Freitag von
4—6 Uhr steht die Lesehalle den Kindern zur Verfügung.
Auch den Kunstgeschmack fördernde Aufgaben sind der Zentralstelle gestellt.
So erfolgt die Ausschmückung der einzelnen Räumlichkeiten in der Fabrik nach ihren
Vorschlägen. Es werden hierzu jährlich etwa 50 Bilder angekauft, darunter kostbare
und schöne Drucke der Medici-Gesellschaft. Da die Gesamtzahl der nunmehr vorhandenen
Bilder über 700 beträgt, alle Bilder aber mit gutem Verständnis ausgewählt sind, so kann
man diese Gemäldegalerie mit Fug und Recht als einen Bildungsfaktor betrachten.
Weiter veranstaltete der Ausschuß der Zentralstelle Ausstellungen aller Art, die die
Wissenschaft fördern und den Geschmack pflegen sollen. Im Sommer 1909 wurde eine
Ausstellung von Kunsttöpfereien, Bildern und billigen Volksschriften veranstaltet, die in