Metadata: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

VII. Großhandel und Großhändler im Lübeck des 14. Jahrhunderts 237 
mittelalterlichen Fernhandels hervorgehoben habe (VSWS., Bd, XX, S. 257), so wird 
nicht recht verständlich, was damit gemeint ist, wenn man die Citate, auf die sich von 
Below beruft, nachschlägt. Jedenfalls kann es sich hier nur um den Umfang, nicht um 
die Art des mittelalterlichen Handels handeln. Für letztere hält er mir gegenüber daran 
fest, daß für den mittelalterlichen Handel die Verbindung von Groß- und Kleinhandel 
charakteristisch gewesen sei. (Archiv f. Weltwirtschaft, Bd. XXIV, H. 2, S. 169**); er 
meint, ich habe diese seine Grundthese auch nicht bestritten. Demgegenüber muß ich doch 
bekennen, daß mir die in Lübeck absolut sicher nachgewiesenen Verhältnisse sich mit von 
Belows These nicht vereinbaren lassen; denn gerade für die zahlreiche Schicht der führen- 
den Kaufleute ist hier schon im 14. Jahrhundert der Großhandel so unbedingt die Haupt- 
sache, daß man diese Verhältnisse, die eben keine Ausnahme, sondern die Regel sind, nicht 
mehr in die von Belowsche Formel hineinpressen kann. 
16b) Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters, 1924, S. 590f. — Für A. Dietz 
vgl. Anm. 12; die Äußerungen von Th. Mayer finden sich Zs. f. Volkswirtschaft und 
Sozialpolitik N. F. Bd. V, S. 144, 
17) Probleme, S. 393, 394. 
138) Vgl. meinen „Markt von Lübeck“, oben S. 85 die Bemerkungen grundsätzlicher Art. 
*®) Vgl. ebenda S. 63. Ich habe die dort mitgeteilte Tabelle inzwischen vervollständigt. 
*°) Merkwürdigerweise liegen für Hamburg gerade für dieselben Jahrzehnte (siebziger 
und achtziger Jahre) eingehendere Listen der Gewandschneider vor. Vgl. Nirrnheim 
a. a. O. S. 165. Bei einem Vergleiche der Lübecker Tabelle (vgl. die vorige Anm.) mit 
der bei Nirrnheim wiedergegebenen wird man die Lübecker Entwicklung als in sich klareı 
bezeichnen dürfen, Das Nähere oben im Text. 
?1) Von Nirrnheim selbst ist seine ältere Meinung später aufgegeben. S. oben, S. 236, 
Anm. 15. 
2) Ich berühre hier das überaus heikle Kapitel der Umrechnung mittelalterlicher Werte 
in moderne. Wenn ich mich hier auch nicht weiter darauf einlassen kann, so möchte ich 
nur hervorheben, daß ich jedenfalls sehr bescheiden bin im Vergleichen der Kaufkraft 
der Mark Lübisch von 1368 mit der Reichsmark von 1926. Die Aufgabe ist übrigens 
nicht ganz hoffnungslos zu lösen, da es sich hier nur um den Vergleich des Preises einer 
bestimmten Ware handelt, des Tuches, Ich möchte schon hier meine Vermutung aus- 
drücken, daß eine wirklich zutreffende Vergleichszahl wesentlich höher liegen würde. — 
So sehr ich Sombart in der Anerkennung der Schwierigkeiten der Berechnung der ‚,Zah- 
lungskraft des Geldes“ zustimme (Somb art, Kapitalismus, Bd. I, 4. Aufl., S. 310), so 
wenig kann ich ihm darin folgen, daß er bei Vergleichen sich auf den Vergleich des Metall- 
wertes beschränkt (nebenbei Vergleiche, die auch eine Revision vertragen würden) und 
dabei im Text den Eindruck erweckt, als ob er die wirklichen Gesamtwerte des Waren- 
umsatzes der hansischen Städte in moderner Währung wiedergebe. Denn das muß jeder 
Leser annehmen, wenn er etwa auf S. 147 liest, ‚daß der Warenumsatz einer bedeutenden 
Hansestadt im Hochmittelalter 1—3 Millionen Mark heutiger Währung betrug‘. Diese 
Zahl ist aus mehr als einem Grunde vollkommen irreführend. Wenn man die Aus- 
wahl der Zahlen bei Sombart auf S. 282 mit seiner Vorlage, W. Stieda, Revaler Zoll- 
bücher, Einl. S. LVIf. vergleicht, so muß man von einem willkürlichen Herausgreifen 
sprechen. Warum ist z. B. für Lübeck nicht wie bei Stralsund das Jahr 1378 mit 4003680 
Reichsmark (Metallwert: 1887!) herausgegriffen? So wird der Eindruck erweckt, als ob 
Lübecks Handel hinter dem von Stralsund und Hamburg zurückgestanden habe; eine 
für den Kenner geradezu ungeheuerliche Vorstellung. — Stieda selbst aber betont aus- 
drücklich, daß die von ihm errechneten Werte in Reichsmark „Nochzu verdreifachen 
oder vervierfachen wären, wenn man sie den entsprechenden der Gegenwart 
gegenüberstellen wolle‘‘ (S. LVI). Schon aus diesem Grunde wird mein Vorschlag, 
hier provisorisch 50 als Multiplikator zu setzen, als bescheiden zu gelten haben, da Stiedas 
Berechnung von 1887 stammt und sich zusammensetzte aus den Multiplikatoren 94
	        
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