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beitragen". Außer diesem ältesten Vereine gab es in Wien nach eine Anzahl
Witwen- und Waisenunterstützungsvereine von Angehörigen liberaler Berufe,
von selbständigen Handwerkern und solche von Dienern. Ueber die Lage
der Arbeiter und deren Bestrebungen, auch ihrerseits Vereine ins Leben zu
rufen, hatte inan bis jetzt nur spärliche Kenntnis. Erst in letzter Zeit gelang
es Professor Dr. Karl G rttn b er g, auf Grund umfangreicher Aktenstudien
wenigstens für ein Gewerbe — die Kottonindustrie — zuve rlässiges
Material ans Tageslicht zu bringen. 1
Einleitend wäre vorauszuschicken, daß die Lage der Arbeiter eine unglaublich
gedrückte war. Die Löhne waren niedrig, die Arbeitszeit sehr lang,
Frauen und Kinder wurden zu den schwersten und ungesundesten Beschäftigungen
verwendet. Kam dann noch die Einführung neuer Maschinen hinzu,
welche die Lebensbedingungen der Arbeiter abermals zu erschweren drohte,
so brachen Empörungen der Arbeiterbevölkerung aus, die oft einen großen
Umfang annahmen. In der Kottondruckerei war es die Ersetzung der Handarbeit
durch die Perrotine, welche im Jahre 1844 zu Streikunruhen in Böhmen,
wahrscheinlich in Prag, aber auch in den anderen Zentren dieser Industrie,
führte. Die Regierung konnte nur mit Aufbietung aller Kräfte diese Streikunruhen
unterdrücken. Diese Vorgänge zeitigten auch Versuche zur Einführung
obligatorischer Fabriksordnungen (Hausordnungen) und von Arbeiterausschüssen,
Regelung des Lehrlingswesens, Abkürzung der Arbeitszeit und anderes
mehr. Auch in dem zweiten größeren Industriegebiet Oesterreichs, in Niederösterreich,
namentlich in Wien, führten ähnliche Verhältnisse wie in Böhmen
l maschinelle Fortschritte) schon vor dem Jahre 1848 zu Streiks und Unruhen.
Die Regierung half sich der Arbeitslosigkeit gegenüber mit Notstandsarbeiten
und — Abschiebung der Nicht-Wiener, beziehungsweise Nicht-Niederösterreicher
in ihre Heimat, hauptsächlich Böhmen, Mähren und Schlesien.
Diese Streiks waren nur spontane Empörungsansbrüche der Arbeiterschaft.
Es gab aber auch schon frühzeitig — wie wir sehen werden, bereits
in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts — in den einzelnen Fabriken
Institute, die eine regelmäßigere Hilfeleistung für die Arbeiter bezweckten. Es
ivaren dies die Fabrikskassen.
Eine amtliche Untersuchungskommission berichtete über die Gebarungsweise
solcher Kassen in der Kottonindustrie am 12. März 184Ü NN das böhmische
Lnndesgubernium. Die Resultate der Untersuchung faßte die Kommission in
folgendem zusammen:
1. In den meisten, sowohl inländischen als auch ausländischen Kottondruckfabriken
haben sich, und zwar gewöhnlich bald nach dem Entstehen der
Fabriken, Vereine der Drucker, denen sich hier und da auch die F o r mu
n d M o d e l l st e ch e r angeschlossen haben, in der Absicht gebildet, um
durch regelmäßige Geldbeiträge einen Fonds zu bilden und daraus die reisenden
(Drucker), die kranken oder ' erwerbsunfähigen Vereinsmitglieder, dann ihre
Witwen zu unterstützen.
2. Solche Vereine bestehen nun seit vielen Jahren sowohl auf dem
flachen Lande als auch in der H a u p t st a d t; wo mehrere Kottonsabriken
an einem Orte sind, bilden, wie zum Beispiel in Böhmisch-Leipa,
sämtliche Drucker einen einzigen Verein; für sämtliche
Kottondruckfabriken in und beiPrag bestehen aber sieben
solche Vereine und die Drucker der übrigen Fabriken sind dem einen
oder anderen einverleibt.
3. Es sind zwar bei vielen dieser Vereine, w o v o n einige über
40 Jahre bestehen, schriftliche Verhaltungsregeln, größtenteils nur im
1 Dieses Material ist noch nicht in Druck erschienen, doch gestattete mir Herr Professor Grünberg in
zuvorkommendster Weise, in einige der wichtigsten Partien Einsicht zu nehmen.