Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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die  früher  der  neurussischen  Landwirtschaft  so  mangelten,  und  anderseits ­
  als  Absatzmarkt  für  Getreideprodukte  der  südlichen  Gouvernements
dienen.  Vor  allem  wird  der  wirtschaftliche  Zustand  Neurusslands  durch
seine  Lage  am  Schwarzen  Meer  bedingt,  da  letzteres  einen  grossen  Einfluss ­
  auf  die  Entwicklung  des  Kapitalismus  ausübt.
Mit  Ausnahme  der  von  uns  schon  erwähnten  Gegenden  gemessen
die  neurussischen  Gouvernements  ein  trockenes,  massiges,  kontinentales
Klima.  Ungleichmässige  Niederschläge,  trockene  Winde,  die  die  südrussischen
  Gouvernements,  besonders  den  Süden  des  Gouvernements
Ekaterinoslaw,  das  Gouvernement  Cherson  und  den  Osten  des  Dongebietes
  umwehen,  verursachen  eine  ganz  bedeutende  Trockenheit.  Bei
dem  in  Neurussland  herrschenden  extensiven  Wirtschaftssystem  ist  hier
das  Klima  von  besonders  grosser  Bedeutung  für  den  Zustand  des  Ackerbaus. ­
  Die  grösste  Eigentümlichkeit  und  das  grösste  Übel  des  Klimas  in
Neurussland  sind  ein  rasches  Wechseln  und  eine  sehr  grosse  Ungleichmässigkeit.
  Nicht  nur  in  den  verschiedenen  Jahreszeiten  ist  das  Klima
sehr  verschieden,  sondern  auch  in  ein  und  demselben  Monat  schwankt
die  Temperatur  sehr  stark.  Die  Evaporation  des  Bodens  ist  sehr  stark
und  wechselt  so  rasch  und  ungleichmässig,  dass  man  sehr  schwer  den
für  die  Feldarbeiten  nötigen  Bodenzustand  voraussehen  kann.  Infolgedessen ­
  gestalten  sich  die  Zeiten  der  Feldarbeiten  sehr  unregelmässig.
Manchmal  dauern  sie  bis  zum  Januar,  manchmal  nicht  später  als  bis
Anfang  Oktober.  Dadurch  entstehen  viele  und  grosse  Schwierigkeiten
für  den  Ackerbau  und  für  die  Beschaffung  der  Arbeitskräfte.  Man  ist
vollständig  von  den  Klimaverhältnissen  abhängig,  die  die  Regulierung  der
Erntezustände  ausschliesslich  beherrschen.  »Es  ist  nicht  der  Boden,
sondern  das  Jahr,  das  die  Ernte  bringt,«  —  sagt  die  einheimische  Bevölkerung. ­

Neurussland  ist  das  Gebiet  der  Schwarzerde.  Es  besitzt  einen
sehr  fruchtbaren,  in  vielen  Gegenden  fast  noch  gar  nicht  angegriffenen
Boden.  Im  Gouvernement  Cherson  ist  diese  Schwarzerde  etwa  3'/o  Puss
tief,  im  Dongebiet  fordert  der  fruchtbare  Boden  keine  Verbesserung  und,
trotz  des  hier  herrschenden  Raubbaues,  bringt  er  noch  immer  sehr  gute
Getreideernten  hervor.  Der  Boden  ist  nicht  überall  gleich.  Die  Schwarzerde ­
  wechselt  mit  Sandboden  und  Ton,  reiche  Bodenschätze  mit  sehr
grosser  Unfruchtbarkeit  des  Bodens.  Auch  ist  die  Schwarzerde  nicht
überall  gleich.  Je  näher  zum  Norden,  desto  tiefer  und  fruchtbarer  ist
die  Schwarzerde;  im  Süden  aber,  wo  ausserdem  noch  die  Trockenheit
des  Klimas  stärker  wird  und  die  Steppen  ein  grösseres  Gebiet  umfassen,
ist  die  Schwarzerde  weniger  fruchtbar  wie  in  den  mittleren  und  nörd-
            
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