Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

Zahl  der  Mitteilungen  der  Grundbesitzer  viel  grösser  und  zwar  beträgt
sie  im  Durchschnitt  über  300.  Die  Durchschnittslohnsätze  für  die
Gouvernements  werden  aus  den  Durchschnittslohnsätzen  der  Kreise
ausgeführt.
2.  Taglöhne.
Wie  es  schon  bei  der  Quellenübersicht  erwähnt  wurde,  sind  die
durchschnittlichen  Tagelohnsätze  für  eine  längere  Zeitperiode  sehr  schwer
festzustellen.  Liegt  eine  der  Ursachen  dieser  Schwierigkeit  in  der  Mangelhaftigkeit ­
  der  Materialien,  so  sind  die  Eigentümlichkeiten  der  neurussischen
Landwirtschaft,  speziell  die  der  Lohnverhältnisse,  von  viel  grösserer  Bedeutung. ­
  in  der  Tabelle  LiX  sind  die  durchschnittlichen,  absoluten  Tagelohnsätze ­
  für  die  Jahre  1885—1904  angegeben.  Wie  aus  dieser  Tabelle
ersichtlich  wird,  unterscheiden  sich  die  Tagelohnsätze  je  nach  verschiedenen ­
  Feldarbeitsperioden,  je  nach  Arbeiterkategorien  und  je  nach  Gouvernements. ­

Was  das  erste  Merkmal  der  Unterscheidung  anbetrifft,  so  ist  aus
dieser  Tabelle  leicht  zu  sehen,  dass  für  alle  Arbeiterkategorien  und  in
allen  Gouvernements  die  Tagelöhne  am  niedrigsten  für  die  Frühjahrsarbeiten ­
  oder  in  der  ersten  Periode  der  Feldarbeiten,  etwas  höher  für
die  Heuerntearbeiten  (2.  Periode)  und  am  höchsten  zur  Zeit  der  Getreideernte ­
  (3.  Periode)  stehen.  Es  ergibt  sich  also,  dass  innerhalb  sechs
Monaten  der  Tagelohn  bedeutend  schwankt.  Wie  stark  diese  Schwankungen ­
  je  nach  den  Arbeitsperioden  sind,  wird  durch  die  Tabelle  LX
gezeigt.
Die  Verschiedenheit  der  Tagelohnsätze  in  den  einzelnen  Arbeitsperioden ­
  werden  vor  allem  durch  die  Verschiedenheit  der  Arbeiten  in
den  einzelnen  Jahreszeiten  erklärt:  Die  Bodenbestellung  für  Sommerkorn
stellt  eine  leichtere  Arbeit  im  Vergleich  mit  den  Heuerntearbeiien  dar,
welche  ihrerseits  wiederum  leichter  sind,  als  die  Verrichtungen  zur  Zeit
der  Getreideernte,  ln  dieser  letzten  Arbeitsperiode  werden  die  mühevollsten, ­
  schwersten  und  dringlichsten  Arbeiten  ausgeführt.  Dies  ist  die
erste  Grundlage  für  Schwankungen  in  den  Tagelohnsätzen.  Was  andere
Bestimmungsgründe  der  Tagelöhne  anbetrifft,  so  wollen  wir  sie  gemeinsam ­
  mit  denen  der  anderen  Art  von  Arbeitslöhnen  erörtern.
Betrachtet  man  die  Verschiedenheit  der  Tagelohnsätze  je  nach  den
Arbeiterkategorien,  so  sieht  man,  dass  am  höchsten  die  Löhne  des
Arbeiters  mit  Pferd,  am  niedrigsten  dagegen  die  der  Arbeiterin  stehen.
Die  Tagelöhne  des  Arbeiters  (ohne  Pferd)  stehen  höher,  als  die  der
Arbeiterin.  Und  schliesslich  die  Löhne  ohne  Verköstigung  stehen  höher
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