Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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dagegen  sind  die  Tagelöhne  zur  Zeit  der  Heu-  und  Getreideernte  sehr
stark  gefallen,  die  Abgaben  und  Steuern  und  insbesondere  die  Rückstände
pro  1  Dess.  noch  bedeutender  gestiegen.  Auch  im  Gouv.  Cherson  stehen
die  Lohnverhältnisse  in  dem  letzten  Jahrzehnt  schlechter  als  in  den
Jahren  1885—1894.  Die  Tagelöhne  für  die  Bestell-  und  Heuerntearbeiten
haben  zugenommen,  aber  auch  die  Weizenpreise  sind  gestiegen,  wenn
auch  weniger  als  die  Löhne.  Dagegen  haben  sich  die  Rückstände  bedeutend ­
  erhöht  und  die  Abgaben  und  die  Steuern  pro  1  Dess.  sind  dieselben ­
  geblieben.
Fasst  man  also  diese  Ergebnisse  der  Bewegungen  der  realen  Tagelöhne ­
  zusammen,  so  sieht  man,  dass  überall,  mit  Ausnahme  des  Gouv.
Cherson,  die  Weizenpreise  gefallen  sind.  Zu  gleicher  Zeit  aber  sind  die
Tagelöhne  in  allen  Gouvernements  für  die  Getreideerntearbeiten,  in
einigen  Gouvernements  auch  für  die  Heuerntearbeiten  noch  bedeutender
gefallen.
In  der  Tabelle  LXXXHI  haben  wir  den  Vergleich  der  Bewegungen
der  Tagelöhne  mit  den  Bewegungen  der  Weizenpreise  auch  auf  Grund
der  Angaben  der  Gouverneurberichte  angestellt.  Auch  auf  Grund  dieser
kommt  man  zu  denselben  Schlüssen.  Die  Weizenpreise  sind  in  den
90er  Jahren  im  Vergleich  mit  denen  in  den  80er  Jahren  bedeutend  gefallen. ­
  Mit  Ausnahme  Bessarabiens  sind  die  Tagelöhne  für  die  Bestellarbeiten ­
  gestiegen,  in  Bessarabien  aber  bedeutend  gefallen  und  zwar
noch  mehr,  als  die  Weizenpreise.  Zur  Zeit  der  Getreideernte  aber  sind
die  Tagelöhne  überall  mit  Ausnahme  des  Dongebietes  bedeutend  gefallen
und  zwar  in  Bessarabien  und  Taurien  noch  mehr  als  die  Weizenpreise.
Man  sieht  also  auf  Grund  dieser  Quellen,  dass  die  Lohnverhältnisse ­
  am  günstigsten  im  Dongebiete  stehen,  dagegen  am  ungünstigsten
in  Bessarabien  und  Taurien,  wo  trotz  des  Sinkens  der  Weizenpreise  die
Reallöhne  sich  verschlechtert  haben.  Für  alle  übrigen  Arten  von  Arbeitslöhnen ­
  konnten  wir  den  Vergleich  des  Steigens  resp.  Sinkens  von
Löhnen  mit  denen  der  Weizenpreise  und  der  Rückstände  nur  auf  Grund
der  Angaben  der  Gouverneurberichte  durchführen,  da  die  Angaben  der
Semstwo  und  des  Ackerbauministeriums  einen  zu  kurzen  Zeitabschnitt
betreffen  und  zu  lückenhaft  sind.
Um  den  Realwert  der  Akkordlöhne  festzustellen,  müssen  noch  die
Getreidepreise  in  Betracht  gezogen  werden.  Aus  der  Tabelle  LXXXIV
ergibt  es  sich,  dass  bei  den  Akkordlöhnen  sich  die  Reallöhne  in  allen
Gouvernements  mit  Ausnahme  Tauriens  etwas  gebessert  haben.  In
diesem  letzten  Gouvernement  sind  die  Löhne  gefallen  und  zwar  viel
tiefer  als  die  Weizenpreise.  In  allen  übrigen  Gouvernements  sind  die
            
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