Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

151

sowohl  die  Akkordlöhne  als  auch  die  Fristlöhne  gefallen,  doch  ist
dieses  Sinken  ganz  unbedeutend  im  Vergleich  mit  dem  Sinken  der
Roggenpreise.
Was  die  Reallöhne  der  Tagelöhner  anbetrifft,  so  haben  sich  diese
nur  verschlechtert.  Zwar  sind  die  Tagelöhne  für  die  Bestellarbeiten  gestiegen ­
  —  um  6,8  °/o  —  doch  kommen  die  Tagelöhne  für  Bestellarbeiter
für  die  Wanderarbeiter  fast  gar  nicht  in  Betracht,  da  die  Zuwanderung
derselben  Wanderarbeiter  in  der  Regel  erst  im  Mai  einsetzt.  Zur  Zeit
der  Heu-  und  Getreideernte  aber  sind  die  Tagelöhne  bedeutend  gefallen
—  um  11,8  %  —  und  zwar  viel  erheblicher  als  die  Roggenpreise.
Vergleichen  wir  die  Aenderungen  in  den  Lohnsätzen  mit  denen  der
Rückstände,  so  ist  leicht  einzusehen,  dass  bei  dem  von  uns  schon  oben
betonten  enormen  Wachsen  der  Rückstände  die  Lebensverhältnisse  für
alle  Arbeiterkategorien  ungünstiger  geworden  sind.  Aus  denjenigen
wenigen  Gouvernements,  wo  die  Rückstände  sich  unbedeutend  vermindert
haben,  kommen  die  wenigsten  Wanderarbeiter  nach  Neurussland.
Fassen  wir  die  Ergebnisse  unserer  Untersuchung  der  Aenderungen
der  Reallöhne  der  Wanderarbeiter  zusammen,  so  ergibt  sich,  dass  sie
überall  bedeutend  ungünstiger  geworden  sind.  Die  Geldlöhne  sind  gefallen ­
  und  trotz  des  Sinkens  der  Getreidepreise  sind  daher  die  Lohnverhältnisse ­
  bei  den  Tagelöhnern  ungünstiger  geworden.  Die  Rückstände
haben  aber  so  sehr  zugenornmen,  dass  sowohl  für  die  Tagelöhner,  wie
auch  für  alle  übrigen  Arbeiterkategorien  sich  die  Lebensverhältnisse  bedeutend ­
  verschlechtert  haben.
Weder  die  niedrigen  Getreidepreise,  noch  die  manchmal  gestiegenen
Geldlöhne  haben  die  Lage  der  Landarbeiter  in  Südrussland  gebessert,
da  es  immer  die  Rückstände  sind,  die  wie  eine  mit  zunehmender  Schwere
drückende  Last  auf  die  Bauern  in  den  meisten  russischen  Gouvernements
liegt  und  jede  Besserung  ihrer  Lage  bei  dem  gegenwärtigen  Zustand  der
Agrarverhältnisse  in  Russland  unmöglich  macht.
S  VI.  Nahrungszustände.
1.  Nahrungszustände  der  Wanderarbeiter.
Da  die  Wanderarbeiter  sich  nur  mit  grosser  Mühe  und  Not  zum
Wandern  ausrüsten  können,  indem  sie  oft  auch  ihre  letzten  Wirtschaftsgegenstände ­
  verkaufen  oder  verpfänden,  so  ist  es  leicht  zu  verstehen,
dass  ihr  Reisegeld  ungemein  knapp  ist.
Dieser  Knappheit  an  Geldmitteln  wegen  rüsten  sie  sich  so  zu  ihrer
Wanderung  aus,  dass  sie  kein  bares  Geld  für  die  Nahrung  zu  verausgaben ­
  gezwungen  sind.  Sie  nehmen  sich  von  zu  Hause  soviel  Nahrungs ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.