Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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sind.  So  wurden  im  Jahre  1899  von  allen  auf  den  Naturalverpflegungsstationen ­
  im  Gouv.  Cherson  eingetragenen  Wanderarbeitern  in  den  Ambulatorien ­
  9,5%  aufgeschrieben.  Von  diesen  fallen  aber  11,8  c / 0  auf
Krankheiten  der  Verdauungsorgane,  1,4  %  auf  Dysenteria,  10,9%  auf
Erkrankungen  der  Sehorgane  und  2,9  °/o  auf  Typhus.
2.  Die  Nahrungszustände  der  Arbeiter  auf  dem  Gute.
Auf  dem  Gute  steht  es  um  die  Nahrungszustände  der  Arbeiter  nicht
viel  besser,  als  bei  den  Wanderarbeitern.
Es  ist  hier  ein  Unterschied  zwischen  der  Nahrung  der  Arbeiter,
die  durch  geschriebene  Arbeitsverträge,  und  derjenigen,  die  ohne  solche
gedungen  werden.  Die  ersten  bekommen  eine  bessere  Verköstigung.
Sie  besteht  pro  Monat  und  Kopf  aus  folgenden  Nahrungsmitteln:  Koggenmehl ­
  von  38  Pfund  bis  1  Pud  30  Pfund,  Weizenmehl  6—16  Pfund,
Grütze  3,4—15  Pfund,  Kartoffeln  31  37  Pfund,  rote  Rüben  6—18  Stück,
Gemüse  (Kohl,  Möhren  u.  dgl.)  7—  11  Stück,  Speck  3—5  Pfund,  Oel
2,6—3  Pfund,  Salz  2—4  Pfund.  Im  Ganzen  stellt  die  Verköstigung  des
Arbeiters  pro  Monat  im  Durchschnitt  sich  auf  3  Rubel  40  Kop.  bis  5  Rubel,
im  Jahre  auf  46  Rubel  25  Kop.  bis  60  Rubel.')
Eine  solche  Nahrung  ist  aber  nicht  sehr  häufig,  da  schriftliche
Arbeitsverträge  ziemlich  selten  Vorkommen,  ln  der  Regel  wird  den  Arbeitern ­
  eine  schlechtere  Nahrung  gegeben.  Es  dienen  gewöhnlich  als
Nahrungsmittel:  Beetensuppe,  Grützsuppen,  Mehlklösschen,  Brei;  dazu
kommen  manchmal  noch  Fett  und  Oel.
Aus  dem  Kreise  Melitopol  (Taurien)  wird  von  einem  Arzt  auf  einer
Naturalverpflegungsstation  über  die  Nahrungszustände  der  Arbeiter  folgendes ­
  berichtet:  «ln  der  Frühe  beim  Morgengrauen  jagt  man  die  Arbeiter
ohne  Essen  auf  die  Arbeit;  zum  erstenmal  bekommen  sie  eine  Speise
um  10  Uhr  und  zwar  besteht  diese  aus  einem  sog.  «Kander»,  einem
dünnen  Weizengrützbrei  mit  Hirse  gemischt.  Das  Brot  ist  schlecht  und
bitter.  Um  1  Uhr  bekommen  die  Arbeiter  ein  Mittagessen;  es  besteht
aus  einer  Beetensuppe  ohne  Knochen  und  Gemüse,  aus  faulen  Kartoffeln,
dazu  etwas  Fett;  in  den  Fasten  aber  verabreicht  man  weder  Oel  noch
Fett.  Um  6  Uhr  abends  wird  Brot  allein  gegessen  und  um  9  Uhr
das  Abendessen,  das  aus  Mehlklösschen  besteht.  Das  Essen  ist  schlecht
zubereitet  und  die  Arbeiter  leiden  an  Magenkrankheiten.  Fleisch  bekommen ­
  sie  sehr  selten,  meistens  nur  an  grossen  Feiertagen.  In  der
Regel  ist  das  Fleisch,  sowie  auch  der  Fisch  verdorben.  Sie  stinken  und
')  Nach  den  Angaben  in  der  landwirtschaftlichen  Chronik  des  Gouv.  Cherson  in
den  Jahren  1902—1903.
            
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