Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Gouvernements  zu  verdingen.  Die  Arbeiter  erhielten  einen  Vorschuss,
gewöhnlich  nicht  mehr  als  20  Rubel.  Die  Altmänner  und  Gemeindeschreiber ­
  aber  erhielten  je  5—10  Rubel  für  ihre  Dienste  vom  Agenten
und  30  Kopeken  von  jedem  sich  verdingenden  Arbeiter.  Die  Agenten
zogen  es  immer  vor,  die  Arbeiter  mit  Hilfe  der  Dorfbehörde  zu  werben,
da  sie  dadurch  der  Arbeiter  sicher  waren.  Gesetzt  den  Fall,  dass  diese
ihren  Pflichten  nicht  nachgekommen  wären,  wären  sie  durch  die  Dorfbehörde ­
  so  gedrängt  worden,  dass  sie  es  vorgezogen  hätten,  selbst  unter
schweren  Bedingungen  in  den  Gutswirtschaften  zu  arbeiten.  Diese
Werbung  von  Arbeitern  durch  wandernde  Agenten  hat  sich  noch  hier
und  da  z.  B.  in  Bessarabien  in  sehr  geringem  Masse  erhalten.  So  finden
wir  in  den  Schriften  des  Komitees  für  die  Beratung  über  die  Nöte  der
Landwirtschaft  in  Bessarabieir  im  Jahre  1902  genau  dieselbe  Beschreibung ­
  von  solcher  Werbung  von  Arbeitskräften,  wie  sie  vor  15—20  Jahren
überall  in  Südrussland  üblich  war.  Auch  jetzt  werden  noch  immer  in
Podolien  die  Arbeiter  schon  im  Januar  für  die  Gutswirtschaften  in  Bessarabien ­
  gedungen.  Die  Agenten  erhalten  eine  unbeschränkte  Vollmacht
von  dem  Gutsherrn.  Sie  mieten  die  Arbeiter  für  niedrigeren  Lohn,  ja
sie  geben  nicht  mehr  als  die  Hälfte  des  vom  Gutsherrn  bestimmten
Lohnes.  Für  Nichtausführung  der  befohlenen  Arbeiten  hat  der  Arbeiter
nach  dem  Vertrage  das  Doppelte  des  Vorschusses  dem  Gutsherrn  zurückzuerstatten. ­
  Da  es  aber  wieder  Sache  des  Agenten  ist,  dieses  Strafgeld ­
  von  dem  Arbeiter  einzuziehen,  so  nötigt  der  Agent  den  Arbeiter,
sich  wieder  für  das  nächste  Jahr  zu  verdingen,  da  dies  das  einzige  Mittel
ist,  um  von  der  Bezahlung  des  Strafgeldes  befreit  zu  werden.  Mit  der
Zeit  ist  diese  Methode,  sich  Arbeitskräfte  zu  verschaffen,  vollständig  unzulänglich ­
  geworden.  Es  kommen  öfters  Vertragsbrüche  seitens  der  Arbeiter ­
  vor,  die  in  den  Jahren  der  höheren  Löhne  gar  nicht  zu  dem  Arbeitgeber ­
  kamen,  dem  sie  sich  verpflichtet  hatten.  Es  begannen  unaufhörlich ­
  Klagen  über  Kontraktbrüche  seitens  der  Arbeiter.  Mit  der  Zunahme
der  Abwanderung  und  mit  dem  Steigen  der  Löhne  begannen  auch  die
Arbeiter,  auf  solche  Notverpflichtungen  zu  verzichten.  Je  grösser  einerseits ­
  das  Angebot  von  Arbeitskräften  seitens  der  einheimischen  bäuerlichen
Bevölkerung  und  anderseits  die  Zuströmung  der  Wanderarbeiter  wurde,
und  je  mehr  die  Verwendung  landwirtschaftlicher  Maschinen  zunahm,
desto  mehr  nahmen  die  Arbeitgeber  von  solchen  Werbungen  Abstand.
Auch  beim  Verdingen  der  Arbeiter  auf  den  Arbeitsmärkten  sind
verschiedene  Ueberbleibsel  der  alten  Zeit  immer  noch  vorhanden.  Von
den  Agenten,  die  auf  den  Märkten  Arbeiter  suchen,  werden  diese  mit
Essen  und  Trinken  reichlich  traktiert  und  oft  kommt  es  vor,  dass  die
            
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