Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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die  die  Landwirtschaft  treiben  und  in  dem  Ackerbau  ihre  Kapitalien
anlegen,  sondern  auch  die  alten  adeligen  Grundbesitzer,  die  sich  an  die
neuen  Verhältnisse  angepasst  haben.  Vom  wirtschaftlichen  Standpunkte
aus  gesehen,  ist  unser  Adel  jetzt  nicht  mehr  der  edle  Stand  aus  alter
Zeit,  er  treibt  jetzt  ein  prosaisches  Leben,  er  führt  seine  Wirtschaft,
Schweinezucht,  Viehzucht  u.  dgl.  Seinen  wirtschaftlichen  Interessen  nach
steht  er  jetzt  neben  dem  Grundbesitzer  aus  anderen  Ständen. 1 )
Nach  den  offiziellen  «Beiträgen  zur  Statistik  der  Grundbesitzbewegungen ­
  in  Russland»  verloren  die  Adeligen  und  die  Staatsbeamten
im  Jahre  1893  191  941  Dess.,  was  48,2  Prozent  des  gesamten  in  diesem
Jahre  verkauften  Grund  und  Bodens  ausmachte,  dagegen  kauften  diese
beiden  Gruppen  nur  91  507,9  Dess.  oder  23  Prozent  des  gesamten
gekauften  Grund  und  Bodens.  Der  Grundbesitz  der  Kaufleute  ist  fast
unverändert  geblieben  (verkauft  wurden  37  772  Dess.  oder  9,5  Prozent,
gekauft  38  127,2  Dess.  oder  9,59  Prozent),  dagegen  zeigt  der  Grundbesitz ­
  der  Bauern  und  der  Kleinbürger  eine  Zunahme,  indem  die  erste
Gruppe  15  786,3  oder  3,9  Prozent  verkauft  und  41  188  oder  10,3  Prozent
erworben  hat;  die  Kleinbürger  verloren  22  969,4  Dess.  oder  5,7  Prozent
und  kauften  25  922,2  Dess.  oder  6,5  Prozent  des  gesamten  verkauften
resp.  gekauften  Grund  und  Bodens.  Auch  aus  den  Angaben  der  von
uns  schon  im  ersten  Kapitel  öfters  zitierten  Regierungkommission  ergibt
sich  der  Grundbesitzwechsel  bei  den  verschiedenen  Gruppen  der  Grundbesitzer ­
  folgenderweise:
(Tabelle  V)  bei  den  übrigen
bei  den  Bauern:  Privatgrundbesitzern:
Zunahme:  Abnahme:
in  den  Jahren:  in  taus.  Dess.
1868-1877  172,1  942,7
1878—1887  1  1  17,4  1893,2
1888—1897  615,1  1030,7

Durch  diese  Angaben  wird  aber  keine  genaue  Feststellung  der  Grundbesitzbewegungen ­
  unter  den  verschiedenen  Ständen  gewonnen.  Unter
der  Rubrik  der  «übrigen  Grundbesitzer»  werden  überhaupt  alle  nicht
bäuerlichen  Grundbesitzer  untergebracht.  Eine  solche  Mischung  verschiedener ­
  ständiger  Gruppen  von  Grundbesitzern  muss  als  ein  grosser
Fehler  bezeichnet  werden,  da,  indem  der  adelige  Grundbesitz  in  einer
starken  Verminderung  begriffen  ist,  der  Grundbesitz  des  Kaufmannstandes ­
  und  des  Kleinbürgers  in  bedeutendem  Masse  zunimmt.  Jedenfalls

')  Jonoff:  Ueber  die  Qrundbesitzbewegung,  Zeitschrift  Schisn  1900,  S.  707,  709.
            
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