Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Die  Zahl  der  einheimischen  Bauern,  die  sich  als  Wanderarbeiter
verdingen,  ist  nicht  immer  die  gleiche.  Sie  hängt  von  dem  Zustande
der  eigenen  Wirtschaft  des  Bauern  ab;  diese  letzte  aber  von  dem  Ausfall
der  Ernte.  Es  ist  der  immer  schwankende  Zustand  der  Bauernwirtschaft,
der  auch  die  minder  an  Landmangel  leidenden  Bauern  zwingt,  in  den
Jahren  der  Missernte  sich  zur  Lohnarbeit  zu  verdingen.  Das  Kontingent
der  einheimischen  Bauern,  die  ihre  Wirtschaft  verlassen  und  sich  irgendwo ­
  ausserhalb  derselben  als  Lohnarbeiter  verdingen,  setzt  sich  also  in
grossem  Masse  aus  zufälligen  Lohnarbeitern  zusammen,  d.  h.  aus  den
Bauern,  die  nur  durch  eine  vorübergehende  bedrängte  Lage  gezwungen
waren,  sich  zur  Lohnarbeit  zu  verdingen.  Neben  diesen  aber  nimmt
auch  die  Zahl  derjenigen  zu,  die  in  der  Lohnarbeit  ihre  Haupterwerbsquelle ­
  finden.  Von  Jahr  zu  Jahr  verlassen  solche  Bauern  im  Sommer
ihre  eigene  Wirtschaft  und  werden  zu  gewöhnlichen  Lohnarbeitern.  So
betrugen  im  Gouv.  Cherson  in  °/o  die  Zahl  der

(Tabelle  XLVIII)

1894

1896

1898

zum  erstenmal  Ausgewanderten
der  nicht  zum  erstenmal  Aus-39,9



25,2

22,6

gewanderten

60,1

74,2

77,4

Die  aus  der  Ferne  kommenden  Wanderarbeiter  treffen  demnach
überall  die  Konkurrenz  in  Gestalt  von  einheimischen  Bauern.  Neben
diesen  beiden  Kategorien  treten  mehr  und  mehr  neue  Konkurrenten  in
den  Vordergrund  in  Gestalt  der  landwirtschaftlichen  Maschinen.  Dank
dem  extensiven  Ackerbausystem  können  die  Maschinen  in  grossem  Masse
die  Handarbeit  ersetzen.  Wie  gross  die  Fabrikation  und  die  Verbreitung
der  landwirtschaftlichen  Maschinen  ist,  haben  wir  in  dem  ersten  und
zweiten  Kapitel  gesehen.  Jetzt  wollen  wir  nur  ihre  Wirkung  auf  die
«Ueberzähligmachung»  von  Arbeitskräften  untersuchen.
«Die  Verwendung  von  landwirtschaftlichen  Maschinen»  —  sagt  der
Grossgrundbesitzer  Jaroschko  —  «hat  die  Nachfrage  nach  fremden  Fristarbeitern ­
  bedeutend  vermindert,  obwohl  das  Ackerland  immer  zunimmt.
Mit  Hilfe  einer  Maschine  ist  der  Bauer  mit  seiner  Familie  sehr  leicht
imstande,  das  Getreide  von  40—50  Dess.  einzubringen,  manchmal
auch  von  100  Dess.,  während  man  früher  diese  Arbeit  nur  mittels  der
Handarbeit  von  Taglöhnern  ausführen  konnte.» 1 )  Aehnliches  findet  sich
auch  in  den  Semstwoberichten.  «Jetzt  mit  der  Entstehung  der  billigen
Produktion  von  landwirtschaftlichen  Maschinen  in  mehreren  Städten  Neurusslands ­
  fangen  nicht  nur  die  Grossgrundbesitzer,  sondern  auch  mehr  oder

0  Jaroschko.  Vortrag  u.  s,  w.
            
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