Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Kapitel V. 
Lohnverhältnisse. 
§ 1. Naturallohn. 
ln den neurussischen Gouvernements wird der Arbeitslohn der 
Landarbeiter in natura und in barem Gelde bezahlt. 
Der Geldlohn bildet die vorherrschende, aber noch immer nicht 
die einzige Form des Arbeitslohnes. 
Das Eindringen der Geldwirtschaft und die Entstehung der grossen 
kapitalistischen Wirtschaften, in denen eine grosse Verwendung von 
Wanderarbeitern und landwirtschaftlichen Maschinen stattfindet, hat die 
Verdrängung der verschiedenen Formen der alten Fronwirtschaft in 
grossem Masse befördert. Die Entwickelung der kapitalistischen Ver 
hältnisse fand günstigen Boden in den natürlichen und wirtschaftlichen 
Verhältnissen Neurusslands. Infolge des damaligen grossen Mangels an 
einheimischen Arbeitskräften war die neurussische Landwirtschaft zum 
grössten Teile auf Wanderarbeiter angewiesen, ln dieser Zeit bildeten 
sich in der neurussischen Landwirtschaft vorwiegend die Geldverhältnisse 
zwischen Kapital und Arbeit aus. Die Wanderarbeiter, mögen sie ihre 
Anteile in ihren Heimatsortschaften besitzen oder nicht, befinden sich in 
den neurussischen Gouvernements in der Lage besitzloser Proletarier. 
Durch grosse Not aus ihrer Heimat gejagt, wo eine starke Zunahme der 
Bevölkerung beim zunehmenden Landhunger, die Last der wachsenden 
Rückstände, Staat-, Gemeinde- und Semstwosteuern, Mangel an Erwerbs 
quellen, die niedrigen Arbeitslöhne das Leben ganz unerträglich machen, 
kommen diese «weder Dach noch Fach ihr eigen nennenden» Arbeiter 
in das einst «gelobte Land» Neurussland, nicht um Weideland für das 
Vieh oder Saatgetreide zu gewinnen, sondern nur, um bares Geld zu 
verdienen, welches von ihnen in den meisten Fällen ausschliesslich für 
die Bezahlung der Abgaben und Steuern und Rückstände gewünscht wird.
	        
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