16 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw.
hinausging wie z. B. in der griechischen Welt, die Banken nie
jene Bedeutung erlangten. Aber nicht nur das griechische Bank
wesen blieb hinter dem asiatischen — das wir viele Jahrhunderte
lang an Hand der erhaltenen Dokumente verfolgen können — zu
rück, sondern auch das des römischen Reichs, obzwar hier die staat
liche Einheit gegeben war (S. 147). Der Handel Babyloniens —
vorwiegend zu Land, aber auch zu Wasser — erstreckte sich auf alle
umliegenden Länder, er reichte wohl frühzeitig schon bis Indien.
Mit den Völkern Arabiens dürften immer Beziehungen bestanden
haben, erfolgte doch die allmähliche Besiedlung Babyloniens und
der nördlichen Länder durch Semiten von Arabien aus, ja selbst
heute noch kann man die Tendenz der Araberstämmme konstatieren,
in das von der Türkei beherrschte Kulturgebiet vorzurücken (S. 24).
Am meisten aber wurden die Länder Syriens bis zur Küste des
Mittelmeeres von dem Einfluß der Babylonier berührt (S. 19).
Neben dem Reiche von Babylon erhob sich bald jenes der Assyrer,
das mit ihm eine Kulturgemeinschaft bildete. Zahlreiche Kämpfe
erfüllten die nächsten Jahrhunderte, die Babylonier unterlagen
allmählich dem Ansturm der Assyrer, die sich auch nach Norden
und Osten ausbreiteten. Salmanassar II. erzwang im 9. Jahr
hundert nicht nur den Tribut der Phöniker, sondern auch den des
Königs Jehu von Jerusalem, der Silber, goldene Schüsseln, Kannen
und goldene Geräte liefern mußte, während wieder andere Fürsten
Pferde und Dromedare schickten oder Büffel, Elephanten, Affen
und sonstige Tiere; auch Elfenbein, kostbare Stoffe und Gewänder
befanden sich unter den Gaben. Das ganze 8. und 7. Jahrhundert
ist mit derartigen Kriegszügen ausgefüllt, die den vorderasiatischen
Kulturkreis immer einheitlicher gestalteten, da die assyrischen Könige
aus den eroberten Städten einen Teil der Bewohner wegzuführen
pflegten und dafür neue Kolonisten ansiedelten (Buch der Könige II,
17,4 ff.). Auf diese Weise brachte die grausame und zerstörende
Kriegführung der Assyrer doch nicht immer eine dauernde Ver
wüstung oder Entvölkerung mit sich, da sie nach der Wiederher
stellung des Friedens viel für die Neuerbauung der zerstörten
Städte taten und den Handel innerhalb ihres Gebietes förderten;
waren doch die Händler von Ninive „zahlreicher als die Sterne
am Himmel" (Nahum, 3,16). Der Sturz des assyrischen Reiches
erfolgte zum Teil durch den Ansturm von großen Völkermassen
aus dem Norden, die im 7. Jahrhundert in Kleinasien ein
brachen und sehr viele Reiche vernichteten. Gyges, der König des