Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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durch  erklärt,  dass  diese  Art  des  Naturallohnes  innerhalb  gewissen,  sich
sehr  wenig  verändernden  Grenzen  schwankt.  Ausserdem  wird  der  Naturallohn ­
  für  Getreideerntearbeiten  immer  weniger  verwendet;  daher  die
Lückenhaftigkeit  der  Angaben.
Betrachten  wir  zunächst  verschiedene  durch  das  Herkommen  festgestellte ­
  Formen  der  Entlohnung  mit  einem  Teil  des  Rohertrages  für
Getreideerntearbeiten.
!m  Kreise  Alexandria  (Gouv.  Cherson)  verrichten  die  ärmeren  Bauern
bei  ihren  reicheren  Dorfgenossen  das  Einbringen  des  Getreides  vom  Felde
gewöhnlich  für  den  Lohn  «der  vierten  Garbe»,  d.  h.  1 / 5  von  der  Gesamtzahl ­
  der  Garben.  Für  das  Dreschen  von  Getreide  wird  gewöhnlich  als
Entgelt  die  sog.  Schachtel 1 )  gegeben.  Im  Kreise  Elisabethgrad  (Gouv.
Cherson)  war  früher  auch  die  Sitte  vorhanden,  mit  Garben  den  Arbeiter
zu  entlohnen,  mit  der  Zeit  aber  ist  dieses  Herkommen  immer  mehr  verschwunden ­
  infolge  des  Sinkens  der  Getreideernte  und  des  Verschwindens
der  alten  «patriarchalischen»  Verhältnisse  zwischen  dem  Gutsherrn  und
den  Bauern.  Zu  Ende  der  achtziger  Jahre  wurde  die  Garbe  zu  «einer
Wohltat».
Die  Entlohnung  für  das  Einbringen  des  Getreides  vom  Felde  mit
der  Garbe  hat  sich  am  häufigsten  nur  bei  den  Bauern  erhalten.  Aber
auch  unter  diesen  wird  schon  neben  der  «vierten  Garbe»  auch  «die
siebente»  (d.  h.  Vs)  gegeben.  Bei  den  Gutsherren  wird  nur  oder  7u
des  Rohertrages  bewilligt,  je  nach  der  Qualität  des  Getreides,  der  Höhe
der  Ernte  und  je  nach  dem  Wunsche  des  Gutsherrn,  dem  Bauern  zu
Flilfe  zu  kommen.  Später  wird  an  diese  Entlohnung  eine  Bedingung
geknüpft.  Da  das  Stroh  als  Futtermittel  für  das  Vieh  wegen  des  Mangels
an  Futtergewächsen  an  Wert  bedeutend  gewinnt,  so  wird  der  mit  der
Garbe  zu  entlohnende  Arbeiter  verpflichtet,  nach  dem  Dreschen  des
Getreides  das  Stroh  dem  Gutsherrn  zurückzubringen.  Auch  die  Entlohnung ­
  mit  gedroschenem  Getreide  wird  verwendet.  Das  kommt  aber
nur  da  vor,  wo  das  Dreschen  nicht  in  primitiver  Form  ausgeführt  wird,
z.  B.  nicht  mit  dem  alten  Dreschflegel,  sondern  mit  der  Dreschmaschine. ­

In  dem  Masse,  wie  die  Verwendung  von  landwirtschaftlichen
Maschinen  sich  ausdehnt,  wird  der  Naturallohn  in  Form  der  Schobern
durch  das  gedroschene  Getreide  ersetzt.  Die  Entlohnung  für  Drescharbeiten ­
  ändert  sich  je  nach  der  Art  des  Getreides  und  je  nachdem  es
schüttet,  z.  B.  für  das  Dreschen  von  Winterroggen  oder  Weizen  wird
')  Die  «Schachtel»  gleicht  dem  Kornertrage  einer  gedroschenen  Garbe;  diese  wiegt
durchschnittlich  1  Pud,
            
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