Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Porzellan 
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Porzellan 
einen, Teil des Farbstoffs an den Flaschenwan 
dungen ab und besitzt dann eine rot- oder gelb 
braune Farbe. Nach dem deutsch-portugiesischen 
Handels- und Schiffahxtsvertrage vom 30. XII. 
1908 darf die Bezeichnung P. nur für Weine aus 
dem Dourogebiete benutzt werden. Auch ähn 
liche Wortbildungen wie Oporto, Tarragonaport, 
Portogrec, selbst mit dem Zusatz Typ, sind für 
Nachahmungen verboten. 
Porzellan (frz. Porcelaine, engl. Porcelain, 
China) nennt man die edelste Klasse der dichten 
Tonwaren, die sich durch muscheligen, dicht ge- 
fritteten Bruch auszeichnen und in die Unter 
abteilungen : glasiertes und nicht glasiertes P., 
ferner echtes oder hartes, Fritten- oder weiches, 
Statuen- oder Biskuit-P. zerfallen. Das Echte 
oder Hartporzellan ist eine alte Erfindung der 
Chinesen, deren Ursprung in das 9. bis 10. Jahr 
hundert v. Chr. verlegt wird. Aus dem Chinesi 
schen stammt auch die Bezeichnung des P.-Tons, 
Kaolin, nach einem an feldspathaltigen Ge 
steinen reichen Gebirge. Erst viel später kamen 
Porzellangeräte als Handelswaren aus China 
durch Holländer und Portugiesen nach Europa, 
und von den letzteren rührt der Name P. her nach 
einer porcella (Schweinchen) genannten See 
muschel, mit deren Schale die chinesischen P.-Ge- 
schirre einige Ähnlichkeit hatten. Dem schwung 
vollen Handel der Holländer und Portugiesen 
wurde ein Ende bereitet durch die Erfindung des 
deutschen Porzellans, die eine Zeitlang zu Un 
recht dem Freiherrn v. Tschirnhausen zuge 
schrieben wurde, nach neueren Untersuchungen 
des Direktors der Meißner Porzellanmanufaktur 
Dr. Heintze aber zweifellos das Werk Bött 
chers ist. Dieser auf der Albrechtsburg fest 
gesetzte Alchymist erfand an Stelle des erwarte 
ten Goldes im Jahre 1704 das braune, 1709 das 
erste weiße P. Später folgten Frankreich (Sö- 
vres-P.) und England (Wedgewood). Als Roh 
stoffe dienen Feldspat und Kaolin, die unter 
ihrem eigenen Namen besprochen sind, und als 
Zusätze bisweilen noch Gips, Kreide, Quarz oder 
alte Porzellanscherben. Alle Bestandteile werden, 
Feldspat und Quarz nach vorherigem Glühen und 
Abschrecken in kaltem Wasser, durch Stampfen, 
Mahlen und Schlämmen in das feinste Pulver 
verwandelt und die Brühen in entsprechen 
dem Verhältnis gemischt. Der abgesetzte weiße 
Schlamm wird durch Filterpressen bis auf einen 
Feuchtigkeitsgehalt von etwa 25 % entwässert, 
durchgearbeitet und, in Ballen geformt, einer 
längere Zeit dauernden Gärung oder Rottung 
überlassen. Zur Beförderung der Fäulnis, bei 
der unter Schwefelwasserstoffentwicklung und 
Schwarzfärbung^ größere Gleichmäßigkeit erzielt 
wird, setzt man bisweilen Jauche oder Moor 
wasser hinzu. Die Masse wird auf der Töpfer 
scheibe, in Gipsformen oder aus freier Hand ge 
formt, darauf bei gelinder Wärme, vor Sonne 
und Luftzug geschützt, getrocknet und zum ersten 
Brennen in den Verglühofen gebracht. Die 
einzelnen Stücke werden in Kapseln aus Ton 
und Schamotte einer Temperatur von 700 bis 
800 0 ausgesetzt, wobei sie durch Zusammensintern 
des Feldspats mit der völlig unschmelzbaren 
Tonerde in eine gleichmäßige, aber wenig feste 
und poröse Masse übergehen. Zu dem nun fol 
genden Glasieren bedient man sich einer etwas 
anders zusammengesetzten J’orzellanmasse, die 
infolge einesgeringerenTon-underhöhtenKiesel- 
säuregehaltes etwas leichter als das Porzellan 
selbst schmilzt. Die Glasur, deren Zusammen 
setzung derjenigen des Scherbens entsprechend 
gewählt wird, muß strengflüssig sein und gerade 
dann völlig schmelzen, wenn die Grundmasse zu 
erweichen beginnt. Die zu glasierenden, porösen/ 
Stücke werden in die zu einer feinen Milch an- 
geschlämmte Glasur getaucht, saugen diese auf 
und kommen dann nach dem Trocknen wieder 
in Kapseln. Die Stelle, an welcher der Gegen 
stand der Kapsel aufliegt, muß durch Abschaben 
von der Glasur befreit werden, um ein Ankleben 
zu verhindern. Durch diesen unglasierten Boden 
rand lassen sich Porzellangefäße von Steingut 
unterscheiden. Das Gar- oder Glattbrennen 
erfolgt bei höheren, allmählich bis auf 1700 0 
steigenden Temperaturen und dauert 16—18 
Stunden, das folgende Abkühlen 3—4 Tage. 
Schließlich folgt das Sortieren der Stücke in 
Feingut, Mittelgut, Ausschuß und Bruch und 
je nach Bedarf das Dekorieren durch Metalle 
und Farben. Nur wenige Farben sind so feuer 
beständig, daß sie die Hitze des zweiten Brandes 
aushalten und daher gleich auf das poröse Bis 
kuit, also unter die Glasur gebracht werden 
können. Als derartige Scharffeuerfarben ver 
wendet man Kobaltoxyd für Blau, Uranoxyd und 
Iridiumoxyd für Schwarz, Chromoxyd für Grün, 
Eisen- und Mang^oioxyd für Braun, Nickeloxyd 
für Oliv und Titan,oxyd für Gelb. Da sich aber 
mit dieser kleinen Farbenzusammenstellung nicht 
wohl malen läßt, sind die Dekorationen unter 
Glasur nur einfarbig. Am häufigsten werden 
daher Malereien und Dekorationen auf die Glasur 
aufgetragen und besonders in Muffeln einge 
brannt. Die hierzu benutzten Muffelfarben be 
stehen aus Gemischen von pulverförmigen Metall 
oxyden mit Flußmitteln, wie Bleiglas oder Borax 
glas, mit denen sie bei geringer Glühhitze ver 
glasen und auf der Glasur des P. festhaften, 
ohne daß diese selbst wieder in Fluß käme. Die 
Schwierigkeit in der Anwendung dieser Stoffe 
besteht darin, daß sie nach dem Schmelzen viel 
fach erst ihre eigene Farbe annehmen. Sie 
werden, mit einem flüchtigen Öl (dick geworde 
nem Terpentinöl, Lavendelöl) verrieben, aufge- 
tragen und über einer Flamme abgetrocknet. 
Oft muß das Malen und Einbrennen mehrmals 
wiederholt werden, und zwar mit den schwer 
schmelzbaren Farben zuerst, mit den leichter 
flüssigen bei gelinderer Hitze nachher. Nur we 
nige Farben vertragen ein Übereinandersetzen. 
Zur Verzierung mit Gold, Silber und Platin be 
dient man sich der aus ihren Lösungen in feiner 
Verteilung niedergeschlagenen Metalle, die mit 
basischem Wismutnitrat und öl angerieben und 
mit Pinseln aufgetragen werden. Nach dem Ein 
brennen erscheinen die Metalle matt und erhalten 
ihren Glanz erst durch den Polierstein. Das Ver 
fahren der direkten Glanz Vergoldung, das 
früher Geheimnis der Meißner Manufaktur war- 
besteht, in der Anwendung von Schwefelgold. 
Knallgold oder Goldchlorid in Schwefelbalsarn- 
Die sog. Metallüster, glänzende, regenbogen- 
oder perlmutterartig schillernde Farben, werden 
mit Hilfe besonderer, Uran und Wismut ent 
haltender, Gold-, Silber- und Platinpräparate er-
	        
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