Object: Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien

Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien 
mag, gilt nie und nimmer für den Neger. Die 
Aufgabe der Kolonialpolitik ist die Eingliederung 
virtschaftlich unerschlossener Gebiete in die Welt 
wirtschaft. Und ohne Afrika verhungert Europa, da 
es seine Nahrungsmittel (Pflanzenbutter besonders) 
und Rohstoffe braucht. Um so mehr, als sich seit 
dem Kriege überall Autarkien bilden mit dem 
Brundsatze: selbst schaffen was wir brauchen und 
elbst verbrauchen was wir hervorbringen. Die 
Zeiten, in denen Europa für seinen Bevoͤlkerungs⸗ 
aberschuß aus jungen Ländein über See (Nord— 
amerika, Argentinien, Australien z. B.) Lebens— 
nittel erhielt und mit Industrieprodukten bezahlte, 
ind vorbei: Europa muß sich immer mehr selbst 
eine Nahrungsmittel und Rohstoffe schaffen. Und 
dazu ist Afrika da, das die Bestimmung hat, 
Furopas südliche Verlängerung, seine Plantage 
zu werden. Deutschland aber hat es wie keine 
zweite Macht verstanden, die Afrikaner zur Werte— 
heschaffung zu erziehen unter Wahruͤng seiner 
eigenen Interessen. Deutschland — fast allein 
Deutschland — hat den dazu erforderlichen 
Menschenüberschuß. Ohne Teutschland kann 
Furopa deshalb seinen Bestand, sein Leben nicht 
ichern. Und deshalb haben alle europäischen 
Mächte und auch die Eingeborenen Afrikas ein 
Lebensinteresse daran, daß Deutschland wieder 
eine Kolonialmacht wird, denn wenn es den 
Afrikanern gelingen sollte, die Europäer zu ver— 
reiben, würde dort ein Kampf aller gegen alle 
beginnen, gegen den die Greuel des Bolschewis⸗ 
mus ein Kinderspiel wären. Jahrtausendelang 
jaben die Eingeborenen gegeneinander gewütet: 
daher die ungeheure Menschenarmut des dunkeln 
Erdteils. Einmal haben wir den Afrikanern 
dereits den Landfrieden gebracht; und wenn dazu 
dämpfe nötig waren, so bedeuten die Menschen— 
derluste in diesen Kämpfen nur einen lächerlichen 
Bruchteil der beständigen Aderlasse, die sich die 
Eingeborenen selbst zugefügt haben. Und dazu 
ommen die Verluste durch Menschen- und Tier— 
euchen, durch Aberglauben und Barbarei, die 
Afrika dezimiert haben. Die Tropenmedizin, die 
Verwaltung, die Mission haben die Eingeborenen 
don alledem befreit. Das alles dankt uns der 
Afrikaner. Wir werden in Afrika immer treue 
dettow-Askari finden, die bereit sind, uns zu 
dienen und für die wahren Interessen ihrer Rasse 
zu kämpfen. Wöre das aber nicht so, dann wäre 
gerade das ein Beweis, daß der Afrikaner der 
—VV 
Es erübrigt sich, zurzeit darüber zu sprechen, 
vie Afrika unler weltwirtschaftlichen Gesichts— 
unkten aufgeteilt werden müßte, d. h. wie 
nan verfahren müßte, um den siärkften Strom 
on intelleltueller und materieller Energie über 
zen weilen Kontinent zu leiten. Soviel st sicher, 
»atßz die heutige Verteilung die afrikanischen 
cchätze nicht ausnutzt, sondern quiesziert, thesauriert. 
Veder Portugal, noch Belgien, noch Frankreich 
sat das Menschenmaterial, die Industrie, das 
veld, um seinen übermäßigen Landbesitz zu 
efruchten und zu befrieden. Selbst England kann 
einen ungeheuren Kolonialbesitz nicht mehr mit deu 
rforderlichen Kräften versorgen. Ohne die deuische 
Nitarbeit bleibt Afrika ein ungehobener Schatz. 
insere Ausschließung an der Miilarbeit bedeutet 
in Aufhalten, ein Rüchstauen der eingeschlagenen 
ẽnwicklung. 
Sollte gar einmal der große Rassenkampf 
»er Welt beginnen, den viele Sachkenner für 
nvermeidbar halten, — nur über das Wann ist 
nan sich noch nicht einig —, so wird England 
aAsien gebunden sein, und Frankreich, das sich 
uf die farbigen Heere stützen zu können glaubt, 
ersagen. Sein auf einer gänzlich falschen Ein— 
eborenenpolitik beruhendes und seine Kraft weit 
bersteigendes Kolonialreich ist „top-heéavy“, 
insturzreif. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß 
deutschland cinmal dazu berufen ist, Afrika für 
zuropa zu retten. Denn, angenommen, daß, 
die Lothrop Stoddard (The rising tide of color, 
dew Vork 1920) befürchtet, „Asien den Asiaten“ 
berlassen werden muß, ist auch die Südsee 
erloren und Europa für tropische Rohstoffe, 
hne die es wirtschaftlich und physisch zugrunde 
ehen muß, auf das tropische Amerika und 
Ufrila angewiesen. Jenes gegen den gelben 
Unsturm zu bewahren, wird Aufgabe der Ver— 
inigten Staaten sein, dieses in Botmäßigkeit zu 
alten, Deutschlands. Denn England wuͤrde im 
ame um Asien und Australien aufgebraucht 
verden. 
Es ist nicht immer nichtige Spielerei, sich mit 
erart weitliegenden Fragen zu beschäftigen, denn 
uch rassenpolitische Enswicklungen schlagen im 
eitalter der Hertzschen Wellen ein anderes Tempo 
in als im Zeilalter der Postkutsche. Ein deutsches 
Mandat für Afrika“ liegt auch unter diesem Ge— 
schtspunkte nicht außerhalb des Bereichs der 
HNöglichkeit in den nächsten Jahrzehnten.
	        
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