Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

338 Zweiter Teil. Handel. XVI. Amtliche Handelsvertretungen. 
Teilnahme Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden, anderer hoch 
gestellter Personen, des ersten Beamten des Reichs, von Ministern und sonstigen 
Vertretern einer Reihe von Bundesstaaten, sie gibt uns eine Gewähr dafür, daß 
unsere Arbeit an denjenigen Stellen, für die sie in erster Linie bestimmt ist, An 
erkennung findet. Zur Hebung unserer Stimmung trägt es bei, daß auch Vertreter 
anderer Berufsstände, mit denen wir gern in Frieden leben, Vertreter ausländischer 
Handelskammern und ausländischer Verbände von der Art des unfrigen, auch Ver 
treter des Internationalen Handelskammerkongresses, dem wir uns freudig ange 
schlossen haben, der ihnen zugestellten Einladung gefolgt sind. 
In dieser weihevollen Stimmung wollen wir geloben, unter Beachtung anderer 
berechtigter Interessen diejenigen, die uns anvertraut sind, treu, eifrig und gewissen 
haft zu pflegen und energisch zu vertreten, das, was uns eint, stets höher zu stellen 
als das, was uns etwa trennen könnte, und die glücklich gewonnene Einigung nie 
wieder preiszugeben. 
Sollten einmal für den Deutschen Handelstag wieder weniger günstige Zeiten 
kommen, so möge die Erinnerung an den heutigen Tag dazu beitragen, die Schwierig 
keiten zu überwinden. Aus der Vergangenheit wollen wir lernen, an der Gegenwart 
wollen und können wir uns erfreuen und für die Zukunft: ein Glückauf! 
6. Trinkspruch aus den Deutschen Handelstag. 
Von Theobald v. Vethmann Hollweg. 
v. Bethmann Hollweg in: Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Deutschen 
Handelstags. Heidelberg 13- Mai 1911. Berlin, Liebheit & Thiesen, 1911. S- 72—74. 
Lassen Sie mich der Freude darüber Ausdruck geben, daß ich den heutigen, für 
den deutschen Handel so denkwürdigen Tag in Ihrer Mitte verbringen kann, in 
einer Stadt, in der uns Deutschlands Geschichte, sein schmerzlichstes Unglück, seine 
Schönheit und geistige Größe, sein leidenschaftliches Hoffen und Ringen um Einheit 
so lebendig ist; in einem Lande, dessen Fürstenhaus wir immer wieder mit besonderer 
Verehrung nennen, wenn wir von unserer nationalen Einigung sprechen. Auf die An 
fänge dieser Einigung führen uns alle Erinnerungen des heutigen Tages zurück. 
Ihr verehrter Herr Präsident hat in seiner Festrede*) die Verworrenheit der 
wirtschaftlichen Zustände geschildert, in der der deutsche Kaufmann vor 50 Jahren bei 
jedem Schritt seinen Fuß verstrickte. Er hat gezeigt, wie aus der Not unserer 
politischen Zerrissenheit das Bedürfnis zum Zusammenschluß des deutschen Handels, 
wie der Deutsche Handelstag erwuchs. Mit Stolz dürfen Sie sagen, daß die Geschichte 
des Deutschen Handelstags ein Stück der Geschichte unserer Einheit 
geworden ist, daß die Forderungen, die hier vor 50 Jahren von den Vätern des 
Handelstags aufgestellt wurden, das Gerüst waren, in das der Bau unseres Wirt 
schaftslebens hineinwuchs, nachdem uns die politische Einheit geschaffen war. 
Und doch wird nicht einer von den Männern, die den ersten Deutschen Handels 
tag einberiefen, die Entwicklung geahnt haben, die der deutsche Handel in diesen 
50 Jahren genommen hat. Die Zahlen unserer Handelsbewegung, die uns so nüchtern 
und selbstverständlich erscheinen, hätten jener Heidelberger Versammlung wie ein 
Märchen geklungen. Die Zeit lag ja noch nicht weit zurück, wo man die deutschen 
*) Aus Kaempfs Festrede ist der Abschnitt über: „Die Entwicklung von Deutschlands 
Industrie 1861—1911" oben S. 102—105 abgedruckt. — G. M.
	        
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