Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

11.  Kapitel.  Beeinflussung-  der  Arbeitsbedingungen  durch  Koalitionen.  267

organisiert,  die  durch  Vertrauensmänner  mit  einander  in  Verbindung
stehen  („Lokalorganisierte“).  Sie  betonen  insbesondere  scharf  die  Notwendigkeit ­
  der  politischen  Betätigung  der  Fachverbände.  Ihre  Mitgliederzahl ­
  wird  auf  17600  geschätzt.
Die  Hirsch-Dunckerschen  Gewerkvereine  sind  von  dem  Gedanken
einer  natürlichen  Harmonie  der  Unternehmer-  und  Arbeiterinteressen
aus  zu  dem  Streben  nach  möglichst  friedlichen  Mitteln  zur  Verbesserung ­
  der  Lage  der  Arbeiter  gelangt.  Sie  vertreten  weiter  grundsätzlich ­
  den  Gedanken  der  Selbsthilfe.  Die  Staatshilfe  wurde  früher  ganz
abgelehnt;  neuerdings  hat  sich  aber  in  dieser  Beziehung  unter  den
Mitgliedern  vielfach  ein  Umschwung  bemerkbar  gemacht.  Die  Organisation ­
  lehnt  sich  deutlich  an  das  englische  Vorbild  an.  Die  Ortsvereine
desselben  Berufs  bilden  den  nationalen  Gewerkverein,  an  dessen  Spitze
ein  Generalrat  steht.  Einzelne  Ortsvereine  sind  aber  selbständig  geblieben. ­
  Die  anfangs  ins  Auge  gefaßten  Bezirksverbände  sind  nur
vereinzelt  gebildet.  Auch  die  hauptsächlich  der  Agitation  dienenden
„Ausbreitungsverbände“  für  Provinzen  und  größere  Bezirke  sind  nur
selten.  Zur  Vertretung  der  gemeinsamen  örtlichen  Interessen  der
Ortsvereine  der  einzelnen  Berufe  bestehen  Ortsverbände.  Die  Gesamtvertretung ­
  aller  Gewerkvereine  ist  der  „Verband  der  deutschen  Gewerkvereine“. ­
  An  der  Spitze  steht  der  Zentralrat;  als  dessen  Beirat
erscheint  der  Verbandsanwalt.  Der  Verband  hält  regelmäßige  Verbandstage ­
  ab.  Nach  dem  Vorbild  der  englischen  Trade  Unions  der  gelernten ­
  Arbeiter  beschäftigen  sich  die  Gewerkvereine  auch  mit  der
Bildung  und  Unterhaltung  von  Unterstützungskassen,  Arbeiterschutzbestrebungen, ­
  Bildungswesen,  Arbeitslosenunterstützung,  Rechtsschutz
usw.  Besonderen  Umfang  hat  diese  Gruppe  nicht  erreicht.  Ende  1903
zählte  man  23  Hirsch-Dunckersche  Gewerkvereine  mit  2085  Ortsvereinen
und  110  215  Mitgliedern.  Sie  hatten  insgesamt  ein  Vermögen  3,31  Mill.M.,
wovon  auf  die  Gewerkvereinskasse  1246  576  M.,  auf  die  Kranken-  und
Begräbniskasse  1287  495  M.  und  auf  die  Begräbniskasse  777  674  M.
entfielen.  Die  Einnahmen  waren  für  21  Vereine  1903:  929412  M.

Von  den  Ausgaben  kamen  bei  diesen  21  Vereinen  auf:
Unterstützung  bei  Arbeitslosigkeit,  Aussperrungen  und  Streiks  250205  M.
Verwaltungskosten  der  Hauptkassen  und  der  Ortsvereine  .  .  169891  „
Verbandsorgane  und  deren  Versand  126421  „
Insertion,  Drucksachen,  Material,  Arbeitsvermittlung  ....  59191  „
Unterstützung  bei  Reise,  Umzug  und  in  Notfällen  69076  „
Ortsverbands-  und  Verbandssteuern  41976  „
Agitation  und  Reisen  40227  „
Bildungswesen  .  37413  „
Rechtsschutz  9827  „

Ein  dritte  Gruppe  von  Arbeiterberufsvereinen  sind  die  „christlichen ­
  Arbeitervereine“,  die  sowohl  von  katholischer  als  auch  von
            
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