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II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik.
Arbeitstage verloren gegangen. Rechnet man nur einen Lohn von
2 M. auf den Tag, so stellt sich der Lohnausfall allein bereits auf
180,4 Mill. M.. im Jahr 1893 war er 62,4 Mill. M., 1897: 22,9 Mill. M.,
1898: 30,6 Mill. M. Der Maschinenbauerstreik von 1897/98, der
3lWochen dauerte, hat den Arbeitern an Lohnausfällen, Unterstützungen
und Streikgeldern 70—90 Mill. M. gekostet. Welche beträchtliche
Lohnsteigerung müßte erzielt werden, um solche Verluste mit all den
nachteiligen Folgen, die sich daraus für die wenig leistungsfähige Arbeiterwirtschaft
ergeben, wirklich auszugleichen! Der Ausgleich wird
erschwert dadurch, daß die Unternehmer hei längeren Streitigkeiten
tielfach einen Teil der bisherigen Absatzgebiete verlieren und nach
Wiederherstellung des Friedens nicht gleich Ersatz schaffen können.
Dadurch vermindert sich ihr Bedarf an Arbeitskräften überhaupt.
Überdies sind nicht selten die Stellen der ausständigen Arbeiter inzwischen
durch Zuzug von auswärts besetzt. Während des schon erwähnten
Maschinenbauerstreiks in England 1897/98 sind rund 25 000
Mann neu in dieses Gewerbe eingetreten. Das bedeutet, daß es den
ausständigen Arbeitern vielfach nicht gelingt, ihre alte Arbeitsstelle
wieder zu erhalten, daß sie aber auch oft anderswo vergeblich um
Arbeit nachsuchen, weil die Verhältnisse des Arbeitsmarktes für den
betreffenden Beruf im ganzen durch den Eintritt neuer Kräfte verschoben
sind.
Das sind zunächst privatwirtschaftliche Wirkungen. Aber sie
sind für die Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Die Verschlechterung
der Lebenshaltung und infolgedessen auch die Steigerung der
Krankfälligkeit während der Arbeitsstreitigkeit und die Verschiebungen
auf dem Arbeitsmarkt und in den Absatzverhältnissen und die ganze
gewaltsame Unterbrechung der Produktion schlagen der Volkswirtschaft
Wunden, die oft nur mit großen Opfern zu heilen sind. Das
gilt umsomehr, als die Wirkungen sich vielfach nicht auf die zunächst
beteiligten Berufe beschränken, sondern auch viele andere und mitunter
— z. B. bei einer längeren Unterbrechung der Kohlengewinnung
oder des großen Verkehrs — die ganze Volkswirtschaft in der normalen
Entwicklung stören und hindern. Auch die Erregung, der Haß, die
Leidenschaftlichkeit, die ein längerer Kampf erzeugt, die Verbitterung
des unterliegenden Teils, die Siegesfreude des gewinnenden Teiles
sind die Quelle ernster Gefahren für die Volkswirtschaft, da sie die
Unzufriedenheit der Massen mit der bestehenden Ordnung steigern.
Nach allem ist es nicht zu viel gesagt, daß die Arbeitsstreitigkeiten
ein Übel für die Volks- und Privatwirtschaft sind, und die Verantwortung
derer, die ohne die zwingendsten Gründe derartige Kämpfe
hervorrufen, ist ungeheuer groß. Trotzdem wäre es verkehrt, die Arbeitsstreitigkeiten
überhaupt zu verwerfen. Sie sind unter Umständen