468 III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper usw.
Die vorstehenden Ausführungen sind nur auf einen kleinen Bruch
teil der bestehenden gemeinnützigen Organisationen eingegangen. Aber
schon das Gesagte zeigt, wie lebhaft sich gerade in Deutschland, wo
der Boden für sozialpolitische Reformen aufnahmewilliger und auf
nahmefähiger ist, als in vielen anderen Ländern, das Bedürfnis nach
Ergänzung der Arbeit der sonstigen Träger und Organe der Sozial
politik und nach möglichst vollständiger Beseitigung sozialer Mißstände
geltend macht.
Daß bei einer so ausgedehnten Tätigkeit auch manches mit unter
läuft, was zwar gut gemeint, aber unzweckmäßig oder entweder über
haupt oder wenigstens zur Zeit noch undurchführbar ist, daß es auch
an Beispielen von Ungeschick und Übereifer nicht fehlt, kann nicht
auffallen. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß mitunter harte
Urteile namentlich über die anregende und wegeweisende Tätigkeit
gefällt werden. Es ist aber nicht zu übersehen, daß solche Urteile
nur auf einen Teil der von gemeinnützigen Organisationen geleisteten
Arbeit gegründet sind und daß in den Fällen, in denen sie zutreffen,
meist eine zu geringe Fühlung mit den Kreisen des praktischen Lebens
obgewaltet hat. Es würde sich mancher Mißgriff vermeiden lassen,
wenn sich die letzteren Kreise noch mehr, als es geschieht, an den in
Frage kommenden Besprechungen und Untersuchungen beteiligen
würden. Im ganzen aber muß die weitverzweigte, umfangreiche, an
regende und die unmittelbar praktische Arbeit der gemeinnützigen
Organe als ein erfreuliches Zeichen dafür angesehen werden, daß das
soziale Pflichtbewußtsein rege ist und daß wir nicht in Gefahr sind,
in dem gewiß berechtigten Stolze auf das schon Geleistete die Hände
in den Schoß zu legen.
17. Kapitel. Die organisierte Selbsthilfe.
§ I. Allgemeine Gesichtspunkte. Die Selbsthilfe der Arbeiter gegen
Mißstände kann von den einzelnen Arbeitern nur in engbegrenztem
Umfange durchgeführt wurden. Auf die gesetzliche Regelung und auf
die Gestaltung der Arbeitsbedingungen, insbesondere auch auf die
Höhe der Löhne kann der Einzelne so gut wie gar keinen Einfluß ge
winnen. Das wichtigste Mittel, das dem Einzelnen zur Besserung und
Sicherung seiner Verhältnisse zu Gebote steht, ist eine vorsichtige
und sparsame Lebensführung behufs Ansammlung von Ersparnissen.
Auch die Spartätigkeit bedarf aber zu ihrer erfolgreichen Durchfüh
rung nicht nur vielfacher Anregung und Förderung, sondern auch be
stimmter Organisationen — Sparkassen — und wächst so schon über
den Wirkungskreis des Einzelnen hinaus. Eine nähere Besprechung
der Sparorganisationen liegt nach dem Gesamtplan dieser Sammlung
außerhalb des Rahmens des gegenwärtigen Bandes.