Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

18.  Kapitel.  Die  Privatbeamten.

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tationen  aller  Art  hat  längere  Zeit  dazu  geführt,  daß  sich  die  Sozialpolitik ­
  überwiegend  den  Verhältnissen  der  Handarbeiter  zuwendete.
Hier  war  auch  wegen  des  großen  Teiles  der  Bevölkerung,  der  auf  der
Hände  Arbeit  angewiesen  ist,  das  Gesamtinteresse  stärker  in  Mitleidenschaft ­
  gezogen  und  das  Bedürfnis  nach  Beseitigung  von  Mißständen
dringender,  als  bei  den  Kopfarbeitern.  Als  die  wichtigsten  Aufgaben
in  bezug  auf  die  Handarbeiter  gelöst  waren,  wandte  sich  das  öffentliche ­
  Interesse  auch  den  Privatbeamten  mehr  zu.  Mißstände  waren
und  sind  auch  bei  diesen  vorhanden.  Es  ist  aber  nicht  zu  verkennen,
daß  nach  manchen  Richtungen  hin  in  dem  Stande  der  Privatbeamten
die  Dinge  wesentlich  günstiger  liegen,  als  bei  den  Handarbeitern.  Der
Abstand  zwischen  Unternehmern  und  Angestellten  ist  nicht  so  groß,
wie  zwischen  Unternehmern  und  Arbeitern.  Nach  Bildung,  Wissen  und
sozialer  Stellung  stehen  die  Privatbeamten  den  Unternehmern  vielfach
näher  als  die  Arbeiter.  Die  Möglichkeit,  in  die  Reihe  der  wirtschaftlich ­
  Selbständigen  einzurücken,  ist  für  die  Privatbeamten  namentlich
im  Handelsgewerbe  erheblich  größer,  als  für  den  Handarbeiter,  wenn
auch  der  Großbetrieb  im  Handel  beträchtliche  Fortschritte  gemacht
hat.  Zudem  sind  die  Gehälter  der  Angestellten  nach  Zahlungsfrist  und
Höhe,  so  viel  auch  in  dieser  Beziehung  zu  klagen  sein  mag,  vielfach
günstiger  und  die  Anstellungsbedingungen  vielfach  besser,  als  bei  den
Handarbeitern.  Das  alles  führt  dazu,  daß  im  allgemeinen  der  Privatbeamtenstand ­
  sich  nicht  in  sozialer  Interessengemeinschaft  mit  den
Handarbeitern  fühlt.  Früher  war  die  Abneigung  gegen  alle  sozialdemokratischen ­
  Bestrebungen  aus  diesem  Grunde  unter  den  Privatbeamten ­
  fast  durchweg  vorhanden.  Neuerdings  hat  die  sozialdemokratische ­
  Bewegung  freilich  auch  einen  Teil  der  Privatbeamten  erfaßt
und  eine  Reihe  von  Organisationen  hervorgerufen,  die  völlig  unter
sozialdemokratischem  Einfluß  stehen.  Aber  ein  sehr  großer  Teil  der
Privatbeamten,  namentlich  der,  dessen  wirtschaftliche  nnd  soziale  Stellung ­
  von  derjenigen  der  Arbeiter  weiter  ab  liegt,  hält  sich  davon  fern;
seine  Interessen  sind  auch  tatsächlich  anders  geartet  und  haben  von
dem  Anschluß  an  die  sozialdemokratische  Bewegung  keine  Förderung
zu  erwarten.
Für  den  besser  gestellten  Teil  der  Privatbeamten  bietet  der  Weg
der  Selbsthilfe  in  manchen  Beziehungen  größere  Aussicht  auf  Erfolg
und  ist  in  der  neueren  Zeit  in  ansehnlichem  Umfange  beschritten
worden.  Freilich  hat  sich  auch  hier  gezeigt,  daß  für  gewisse  Gebiete
das  Eingreifen  der  Gesetzgebung  unentbehrlich  ist,  wenn  durchgreifende ­
  Besserungen  erreicht  werden  sollen.  Das  ist  namentlich  bei  den
mit  dem  Arbeiterschutz  in  bezug  auf  Leben,  Gesundheit  und  Sittlichkeit ­
  verwandten  Gebieten  der  Fall,  also  in  der  Frage  der  Sonntagsruhe,  der
täglichen  Arbeitszeit,  des  früheren  Ladenschlusses,  der  Beseitigung  der
            
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