Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

19.  Kapitel.  Die  Dienstboten.

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man  schließen,  daß  in  den  mittleren  Haushaltungen  vielfach  ein  Teil
der  häuslichen  Arbeit  auf  die  Familienangehörigen  übertragen  zu
werden  pflegt.
In  England  und  Wales  ergab  die  Zählung  von  1901:  1994917
Dienstboten  für  häusliche  *und  persönliche  Dienste  oder  13,9  %  der
Erwerbstätigen,  in  Schottland  201230  oder  10,1  °/o,  in  Irland  219418
oder  11,2%,  also  im  ganzen  Königreich  2  415  565  oder  13,2  o/ 0  gegen
2341  696  oder  13,8  %  der  Erwerbstätigen  im  Jahre  1891.
In  London  allein  waren  —  wie  R.  E.  Mat  in  Schmollers  Jahrbuch ­
  1899,  S.  271  ff.  mitteilt  —  1891  bei  einer  Bevölkerung  von  4211743
Einwohnern  186  701  Dienstboten  oder  4,4  %  der  Bevölkerung  vorhanden.
Die  Arbeit  dieser  Dienstboten  kommt  nur  einem  Neuntel  der  Londoner
Bevölkerung  zugute;  die  übrigen  acht  Neuntel  leben  ohne  Dienstboten. ­
  Von  den  Dienstboten  lebten:
64  050  in  Haushaltungen  mit  1  Dienstboten,

49  406

55

11

*  2

ii

27  900

i:

»  3

ii

15  820

H

„

»  4

ii

29  525

ii

„

„  5

und

mehr  Dienstboten.

Zahl  der  Dienstboten  war  in  der

Schweiz

1888

80  304

=  6,2  o/o

der  Erwerbstätigen,

Italien

1901

482  080

—  3,0  °/o

V

11

Frankreich

1891

863  321

=  4,6  °/o

n

11

Österreich

1890

456  277

—  3,5  °/o

ii

11

Ungarn

1890

376  270

=  4,9  °/o

ii

11

Niederlanden

1899

197  511

—  10,3  %

n

51

Dänemark

1901

92  356

—  8,4  °/o

„

51

Schweden

1900

212  753

=  10,8  °/o

ii

55

Norwegen

1891

81  380

=10,5  o/o

n

„  usw.

In  Großbritannien,  Holland  und  Skandinavien  spielt  hiernach  der  häusliche
Dienst  als  Erwerbsquelle  eine  größere  Rolle  als  in  Deutschland,  Österreich-Ungarn, ­
  Frankreich,  der  Schweiz,  Italien.  In  allen  diesen  Ländern
sind  die  Dienstboten  zum  weitaus  größten  Teile  weiblichen  Geschlechts.
Nach  Einkommen  und  sozialer  Stellung  gehören  die  Dienstboten
zur  handarbeitenden  Volksschicht  :  aber  sie  sind  nicht  zur  Lohnarbeiterschaft ­
  zu  rechnen.  Nicht  mit  gewerblichen  Arbeiten,  sondern  mit
häuslichen  Verrichtungen  werden  sie  beschäftigt.  Die  Dienstboten
arbeiten  nicht  in  zusammengedrängten  größeren  Mengen  nach  den
Grundsätzen  einer  planmäßigen  Arbeitsgliederung,  sondern  in  der  Regel
einzeln  oder  mit  einer  eng  begrenzten  Zahl  von  Genossen  zusammen.
Eine  Arbeitsteilung  kann  nur  da  eintreten,  wo  in  demselben  Haushalt
mehrere  Dienstboten  vorhanden  sind,  und  auch  hier  läßt  sie  sich  meist
nicht  streng  innehalten.  Von  wesentlicher  Bedeutung  ist,  daß  die
Dienstboten  in  die  häusliche  Gemeinschaft  des  Arbeitgebers  eintreten.
Daraus  ergeben  sich  sofort  tiefgehende  Abweichungen  von  dem  ge ­
            
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