Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Bewertung der Arbeit 27 
Übersteigerung erfahren hat, daß nur sie,allein noch das gute 
Gewissen zu geben vermag, so hängt auch dies aufs engste mit 
puritanischer Gesinnung und mit der Neulandkultur zu- 
sammen. Es gab keine Lebensformen, die nicht auf Arbeit 
gegründet waren, wer nicht arbeitete, hatte keine Existenz- 
berechtigung. Dafür hatte jedoch auch ein jeder die Über- 
zeugung von der Bedeutung seiner Beschäftigung, das Be- 
wußtsein, gebraucht zu werden, an einem großen Werke 
mitzuschaffen; auch der Untergeordnete durfte sich als ein 
unentbehrliches Glied fühlen. Es ehrte eine jede Arbeit, gleich- 
gültig welcher Art sie war, aber dem Fleiße winkte auch der 
Erfolg, und die uneingeengten Möglichkeiten des Aufstiegs 
spornten den Ehrgeiz. Man fürchtet stets, ein anderer könne 
einem zuvor kommen, jedes Ausruhen gibt anderen einen Vor- 
sprung, und so geht ein nie ermüdendes Streben, eine unge- 
meine Lebendigkeit, eine immer wache Unternehmungslust 
durch das ganze Volk. Man sucht nicht nur den andern zu 
überbieten, sondern über sich selbst hinauszugelangen, den 
eigenen Rekord zu schlagen; wer nicht das Bestreben kund 
gibt, sich heraufzuarbeiten, wer sich mit dem, was er hat, 
genügen lassen will, gilt, mag er auch an seiner Stelle alles 
Verlangte leisten, als „untüchtig‘“ und sinkt rasch zurück, 
Es wurde und wird in Amerika härter gearbeitet als in 
Europa, eine Nation von Streikbrechern hat man die Ameri- 
kaner genannt 38, und die Neuzugewanderten müssen sich erst 
an das neue Tempo gewöhnen und nur die physisch gut aus- 
gestatteten und seelisch nicht allzu empfindlichen pflegen ihm
	        
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