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Guttapercha
Guttapercha
Treubii u. a., die in ganz Ostindien auf Festland
und Inseln (Borneo, Sumatra, Java) weit verbreitet
sind. Nachdem früher durch einen wahren
Raubbau, bei dem Hunderttausende von
Bäumen einfach umgeschlagen wurden, Palaquium
Gutta vollständig ausgerottet worden war,
ist man zu einem rationelleren Verfahren, vielfach
auch zu Neuanpflanzungen übergegangen
und zapft die Bäume jetzt meist durch Einschnitte
und Wegnahme eines Stückes der Rinde
an. Der ausfließende und in Gefäßen aufgefan
gene Saft, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Kuhmilch
hat, gerinnt alsbald und scheidet, besonders
nach Zusatz von Salz, eine klumpige Masse
ab. die mit den Händen zusammengeknetet und
dann dem Trocknen überlassen wird. Die Rohware
bildet viereckige, rötlichbraune, innen hei
lere Blöcke von 10—20 kg Gewicht und poröser
Struktur, die sich nur schwer zerteilen lassen
und zahlreiche Verunreinigungen von Rinde,
Holzstückchen, Blättern, Erde und Steinchen umschließen.
Zur Herstellung der gereinigten G.
wird sie durch Schneid- oder Reißwalzen unter
ständigem Zufluß von Wasser in dünne Späne
zerteilt, darauf durch Verrühren mit viel Wasser
von den untersinkenden Verunreinigungen befreit
und schließlich mit heißem Wasser gewaschen,
mit Walzwerken gepreßt und geknetet,
zu dünnen Blättern oder Fäden ausgezogen und
in die verkaufsfertigen Platten, Blätter, Röhren
und Schnüre ausgewalzt. Bisweilen erfolgt auch
eine Behandlung mit heißen Alkalien, die aber
sorgfältig zu entfernen sind, wie überhaupt die
häufige Wiederholung und gründliche Durchführung
aller Reinigungsarbeiten von größter
Bedeutung ist. Die so vorgerichtete G. zeigt
eine gelbrötliche oder gclblichweiße Farbe, ein
marmoriertes Aussehen und geschichtete Struktur.
Je länger die mechanische Bearbeitung
durch Kneten und Walzen, besonders bei trockener
Wärme fortgesetzt wurde, um so mehr verliert
sich das faserige Gefüge und wird bei
gleichzeitiger Duhkelfärbung homogener. Bei gewöhnlicher
Temperatur lederartig, biegsam, wenig
elastisch und leicht schneidbar, erweicht G.
bei 6o° so weit, daß sie sich kneten und in jede
Form bringen läßt, und wird in siedendem
Wasser sogar klebrig und fadenziehend, nimmt
aber nach dem Erkalten ihre frühere Beschaffenheit
wieder an. Bei 150° tritt unter Entweichen
eines flüchtigen Öles Zersetzung ein. Das spez.
Gew. beträgt 0,96—0,99, In chemischer Hipsicht
besteht sie aus einem Kohlenwasserstoff
Gutta von der Formel (C 10 Hi 6 )n und verschiedenen
harzartigen Oxydationsprodukten desselben,
Alban (nach Tschirch in Sphärit-, Kristall-,
Isosphärit-AIban und Albanan unterschieden)
sowie einen gelben Farbstoff Fluavil
(C 10 Hi 6 O)n. Daneben finden sich Gerbstoffe,
Zucker und Salze, aber kein ätherisches Öl.
Gute Lösungsmittel sind Chloroform, Schwefelkohlenstoff,
Tetrachlorkohlenstoff und Benzin,
hingegen wird durch Alkohol mir eine wachsartige
Substanz ausgezogen, Wasser, Alkalien
und die meisten Säuren, selbst Flußsäure,
sind ohne Einwirkung. Nur stärkste Salpetersäure
und Schwefelsäure zerstören G. Durch
Auflösung in 20 Teilen Benzol und Fällung mit
dem doppelten Volum Alkohol erhält man die
rein weiße G. depurata alba, die zur Ausfüllung
hohler Zähne und Anfertigung künstlicher
Gebisse dient und in Ferm dünner Stengelchen
unter Wasser aufbewahrt wird. Durch Erwärmen
mit Schwefel läßt sich G. ganz wie
Kautschuk vulkanisieren und verliert dadurch
die Eigenschaft, bei höherer Temperatur zu erweichen
und von den vorgenannten Lösungsmitteln
aufgelöst zu werden. Auch können der
G. durch Zusammenkneten Farbstoffe und Füllmittel
einverleibt werden. Von den zahlreichen
Verwendungen spielt die ümkleidung elektrischer
Kabel, besonders unterseeischer, die
größte Rolle, weil G. wegen ihrer Undurchdringlichkeit
für Wasser und Elektrizität geradezu
unersetzbar ist. In chemischen Laboratorien
und photographischen Werkstätten werden Wannen,
Flaschen für Flußsäure, Röhren und andere
Gefäße zur Aufbewahrung ätzender Flüssigkeiten
viel benutzt. Als Nichtleiter der Elektrizität,
aber durch Reibung selbst elektrisch werdender
Körper dient G. zur Plerstellung elektrischer
Apparate, z. B. a'.s Ersatz der Harzkuchen
an Elektrophoren. — Guttaperchalösungen
nimmt man zum Ankleben von Schuhsohlen. —
Guttapercha in dünn ausgewalzten Blättern,
Guttaperchapapier (lat. Percha lamellata) dient
zum Einwickeln vor Feuchtigkeit zu schützender
Waren (photographischer P atten und Papiere),
zur Herstellung von Kitten für Lederriemen oder
zum Kitten von Leder auf Holz oder Metall,
zum Schienen bei Arm- und Beinbrüchen und
zum Verbinden bei Prießnitzumschlägen. Auch
stellt man aus G. Matrizen für galvanoplastische
Niederschläge her, indem man sie auf
den zu formenden Gegenstand im erwärmten
Zustande aufpreßt. — Traumatizin, eine Lösung
von weißer G, in Chloroform, wird wie
Kollodium gegen Schnittwunden angewandt. Da
G. bei längerem Lagern, namentlich in def
Kälte, durch Oxydation leicht brüchig wird, zerbröckelt
und zerfällt, muß sie bei Zimmertemperatur
unter Luftabschluß verwahrt werden.