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musste so wirken, weil einmal der Abbau der Kohle (wie erwähnt)
heute noch allgemein durch Handarbeit geschieht und hierbei kein
Arbeiter mehr leisten kann als seine physische Konstitution zu
lässt; zum andern sind die natürlichen Verhältnisse, unter denen
die Kohle, das zu gewinnende Objekt, vorkommt, seit 1889/90
zum mindesten im Durchschnitt für den Abbau nicht günstiger
geworden. Dies führt uns zu obigen »gewissen Schwankungen«
in den Selbstkosten zurück. Sie sind in der Natur des Bergbaues
begründet. Es muss nämlich 1 ) dem Abbau der Kohlenflötze,
d. h. der eigentlichen Kohlengewinnung, vorhergehen zuerst die Aus
richtung, d. h. die Massnahmen, die dazu dienen, um überhaupt durch
Schächte oder Strecken zum Flötze zu gelangen; sodann die Vor
richtung, d. h. die Zerlegung der Flötze in zum Abbau geeignete
Felder. Es liegt auf der Hand, dass die Selbstkosten dann —
unter sonst gleichen Verhältnissen — besonders gering sind,
wenn möglichst wenig »unproduktive Arbeiten« (d. h. Arbeiten
bei denen, wie z. B. bei der Ausrichtung keine Kohle gewonnen
wird) sich auf möglichst viel Kohlengewinnung verteilen. Diese
Forderung ist aber nur sehr relativ zu verwirklichen, denn man
kann die Aus- und Vorrichtung nicht vorher bestimmen, weil man die
Dauer und die Intensität der die Förderung bestimmenden Hausse
nicht kennt, und so kann man die unproduktiven Arbeiten nicht
ausgleichend verteilen, sondern muss sie oft forciert betreiben.
Zweitens werden in Haussezeiten schwerer zu bauende Flötze
in Angriff genommen, die nur mit steigenden Kosten zu gewin
nen sind (falls gleiche Technik herrscht). Die Erscheinung, dass
im Anfang der Hausse die Kosten einige Zeit sinken, ist darauf
zurückzuführen, dass man in ruhigen Zeiten Müsse hat, sich auf
eine bessere Konjunktur zu präparieren, d. h. genügend aus- und
vorzurichten, was gleich abgebaut werden kann. Dieser Abbau
pflegt dann sehr häufig unter Zurücksetzung der bösen »unpro
duktiven Arbeiten« erst einmal vor sich zu gehen — lockt doch
der Preis. Aber die »unproduktiven Arbeiten« melden sich spä
ter wieder und oft nicht in geringerem Masse.
Drittens pflegen in Hausse die Materialpreise für die Betriebe
und für Betriebserweiterungen, die jetzt häufig in leicht erklärlicher,
1) Ich setze bei diesen Erörterungen den kontinuierlich-intensiven Betrieb vor-
aus und erkläre bloss, warum an sich in Hausse die Produktionskosten steigen müssen.
Dass nämlich diese noch besonders steigen, wenn etwa irgendwelche Betriebsstö
rungen im Abbau oder bei der Förderung hinzutreten, ist klar.