Full text: Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

79 
Wenn wir der relativen Massigkeit im Preise, wie sie die 
letzten Haussejahre zeigten, die oft recht beträchtlichen Gewinne 1 ) 
der Werke entgegensetzen, so finden wir, dass diese Gewinne 
vor allem von Werken erzielt werden, die mehr nach dem Innern 
des Ruhrbeckens zu bauen und die den Hauptvorteil, nämlich 
den gut zu bauender Plötze besitzen und die auch einmal den 
Vorteil der Einführung der Schrämmaschine haben werden. Diese 
Werke haben die grossen Tiefen zu überwinden, aber : »Ich baue 
lieber tiefliegende und günstige als hochliegende und ungünstige 
Flötze« heisst es bei den Fachleuten. Dieses letzte aber müssen 
die Zechen im Süden, also den ausgehenden Teilen des Ruhr 
beckens, und so ist es leicht erklärlich, wie gerade sie das Ge 
setz des abnehmenden Ertrages — durch Kartellschutz zu über 
winden suchen. Sie beneiden die grossen Brüder um das natür 
liche Monopol, das so klingend auszumünzen ist. Sie wollen auch 
gerne an dem Segen teilnehmen, indem sie auch für das am un 
günstigsten produzierende Werk nicht bloss einen, sondern einen 
möglichst grossen Ertrag zu erhaschen suchen. Und so ist auch 
die Mässigung im Preise in der letzten Hausse nicht ihnen, son 
dern, wie die Kartellenquete zeigte, dem Leiter des Rheinisch- 
Westfälischen Kohlensyndikats zuzuschreiben, der gegen die 
»Kleinen« einen schweren Stand hatte. 
Sind aber »heute an der Ruhr die Kohlenpreise doppelt so 
hoch als in den 70 er und 80 er Depressionsjahren, so bedarf man 
heute zur Tonne Schienen oder Träger nur noch 2—3 t Kohle, 
während man damals deren 5 bedurfte« 2 ). Es ist also möglich, 
dass weiterverarbeitende Industrien die Preissteigerung eines von 
1) Für die an der Berliner Börse gehandelten Kohlenaktien betrug die Durch- 
schnittsdividende des Nominalbetrages des Aktienkapitals z. B. 
1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 
7)93 9,94 10,22 10,79 14,62 9,66 7,14 10,52 10,53 
Vgl. Brust, Der Bergarbeiterstreik im Ruhrrevier im Archiv f. Sozialvv. und Sozialp. 
II. Bd. N. F. 481. Aus formell-statistischen Gründen sind jedoch Schlüsse zwischen 
Gewinnen nicht aller Unternehmungen und z. B. Durchschnittslöhnen nicht einwand 
frei. Ich habe deshalb im Texte solches Material nicht berücksichtigt. Das gilt 
auch für das Material, das die KarteiIenquete (vgl. Kontrad. Verh. I. 91/2) mit Mühe 
an den Tag gebracht hat: die Rentabilität von 9 Gesellschaften. Und doch wäre 
gerade die Beantwortung der Frage nach der Rentabilität der Werke seit dem Ent 
stehen des mächtigen Syndikates äusserst wichtig gewesen, zumal seit dieser Zeit ein 
dichter Schleier über diesem Gebiete liegt. Aber wie in manchen Beziehungen, so 
hat auch hier die Enquete gerade das Wichtigste nicht an den Tag gebracht. 
2) Hans Gideon Heymann, Die gemischten Werke 1. c. 27.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.