Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

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Wenn  wir  der  relativen  Massigkeit  im  Preise,  wie  sie  die
letzten  Haussejahre  zeigten,  die  oft  recht  beträchtlichen  Gewinne 1 )
der  Werke  entgegensetzen,  so  finden  wir,  dass  diese  Gewinne
vor  allem  von  Werken  erzielt  werden,  die  mehr  nach  dem  Innern
des  Ruhrbeckens  zu  bauen  und  die  den  Hauptvorteil,  nämlich
den  gut  zu  bauender  Plötze  besitzen  und  die  auch  einmal  den
Vorteil  der  Einführung  der  Schrämmaschine  haben  werden.  Diese
Werke  haben  die  grossen  Tiefen  zu  überwinden,  aber  :  »Ich  baue
lieber  tiefliegende  und  günstige  als  hochliegende  und  ungünstige
Flötze«  heisst  es  bei  den  Fachleuten.  Dieses  letzte  aber  müssen
die  Zechen  im  Süden,  also  den  ausgehenden  Teilen  des  Ruhrbeckens, ­
  und  so  ist  es  leicht  erklärlich,  wie  gerade  sie  das  Gesetz ­
  des  abnehmenden  Ertrages  —  durch  Kartellschutz  zu  überwinden ­
  suchen.  Sie  beneiden  die  grossen  Brüder  um  das  natürliche ­
  Monopol,  das  so  klingend  auszumünzen  ist.  Sie  wollen  auch
gerne  an  dem  Segen  teilnehmen,  indem  sie  auch  für  das  am  ungünstigsten ­
  produzierende  Werk  nicht  bloss  einen,  sondern  einen
möglichst  grossen  Ertrag  zu  erhaschen  suchen.  Und  so  ist  auch
die  Mässigung  im  Preise  in  der  letzten  Hausse  nicht  ihnen,  sondern, ­
  wie  die  Kartellenquete  zeigte,  dem  Leiter  des  Rheinisch-Westfälischen
  Kohlensyndikats  zuzuschreiben,  der  gegen  die
»Kleinen«  einen  schweren  Stand  hatte.
Sind  aber  »heute  an  der  Ruhr  die  Kohlenpreise  doppelt  so
hoch  als  in  den  70  er  und  80  er  Depressionsjahren,  so  bedarf  man
heute  zur  Tonne  Schienen  oder  Träger  nur  noch  2—3  t  Kohle,
während  man  damals  deren  5  bedurfte«  2 ).  Es  ist  also  möglich,
dass  weiterverarbeitende  Industrien  die  Preissteigerung  eines  von
1)  Für  die  an  der  Berliner  Börse  gehandelten  Kohlenaktien  betrug  die  Durchschnittsdividende
  des  Nominalbetrages  des  Aktienkapitals  z.  B.
1896  1897  1898  1899  1900  1901  1902  1903  1904
7)93  9,94  10,22  10,79  14,62  9,66  7,14  10,52  10,53
Vgl.  Brust,  Der  Bergarbeiterstreik  im  Ruhrrevier  im  Archiv  f.  Sozialvv.  und  Sozialp.
II.  Bd.  N.  F.  481.  Aus  formell-statistischen  Gründen  sind  jedoch  Schlüsse  zwischen
Gewinnen  nicht  aller  Unternehmungen  und  z.  B.  Durchschnittslöhnen  nicht  einwandfrei. ­
  Ich  habe  deshalb  im  Texte  solches  Material  nicht  berücksichtigt.  Das  gilt
auch  für  das  Material,  das  die  KarteiIenquete  (vgl.  Kontrad.  Verh.  I.  91/2)  mit  Mühe
an  den  Tag  gebracht  hat:  die  Rentabilität  von  9  Gesellschaften.  Und  doch  wäre
gerade  die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  Rentabilität  der  Werke  seit  dem  Entstehen ­
  des  mächtigen  Syndikates  äusserst  wichtig  gewesen,  zumal  seit  dieser  Zeit  ein
dichter  Schleier  über  diesem  Gebiete  liegt.  Aber  wie  in  manchen  Beziehungen,  so
hat  auch  hier  die  Enquete  gerade  das  Wichtigste  nicht  an  den  Tag  gebracht.
2)  Hans  Gideon  Heymann,  Die  gemischten  Werke  1.  c.  27.
            
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