Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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Conrad  lässt  daher  die  Krugschen  Ziffern  ganz  fallen;  sein  Gewährsmann ­
  ist  Hassel, 1 )  welcher  als  Ackerland  Preussens  um  das  Jahr
1819  42767914  Morgen  anführt.
Conrad  hält  diese  Hasselsche  Ziffer  für  viel  vertrauenswürdiger
als  die  Berechnung  von  Krug,  weil  er,  wenigstens  an  dieser  Stelle,  der
Meinung  ist,  dass  Hassel  seine  Angaben  in  der  Hauptsache  den  amtlichen
Publikationen  von  Hofmann 2 )  entnommen  habe.  Nachträglich  hat  sich
aber  Conrad  selbst  davon  überzeugt,  dass  jene  Annahme  irrig  war;  er
schreibt  an  einer  anderen  Stelle: 3 )  „Es  ist  uns  nicht  gelungen,  zu  ermitteln,
welcher  Quelle  Hassel  jene  Zahlen  entnommen,  da  die  von  ihm  zitierten
Hofmann  sehen  Schriften  so  wenig  wie  andere  von  jenem  Autor  dieselben
enthalten.  Wir  vermuten  aber,  dass  sie  Regierungsakten  entstammen,
welche  auf  Grund  der  in  den  Jahren  von  1810—1812  vorgenommenen
Landesvermessungen  und  Kartierungen  jene  Zusammenstellungen  der  Kulturverhältnisse ­
  enthielten,  auf  welche  jene  Arbeiten,  wie  bekannt,  Rücksicht
nahmen.“
Ich  vermag  nicht  zu  entscheiden,  ob  und  wieweit  die  Vermutung
Conrads,  Hassel  habe  sein  Zahlenmaterial  Regierungsakten  entnommen,
zutrifft  oder  nicht.  Jedenfalls  hat  aber  Hofmann,  der  doch  als  Direktor
des  statistischen  Bureaus  das  betreffende  Material,  soweit  solches  vorhanden
war,  wohl  kennen  musste,  dasselbe  nicht  nur  nicht  benutzt,  sondern  er
schreibt  geradezu: 4 )  „Es  fehlt  zurzeit  noch  an  Nachrichten,  wieviel  von
der  ganzen  Fläche  des  Staats  Ackerland,  wieviel  natürliche  Wiese  ist,  wieviel ­
  unangebaut  zur  Viehweide  dient,  wieviel  zu  Forstland  benutzt  wird,
wieviel  die  Weinberge,  die  Gemüse-  und  Obstgärten  und  die  Bauplätze
betragen,  welchen  Raum  endlich  die  Gewässer,  die  Moore,  die  wüsten
Sandschellen  und  die  Felsen  einnehmen,  und  wahrscheinlich  werden  noch
viele  Jahre  und  Arbeiten  erfordert,  ehe  diese  Nachrichten  vom  ganzen
Staate  mit  Zuverlässigkeit  gegeben  werden  können.“  In  gleichem  Sinne
schreibt  derselbe  Autor  noch  im  Jahre  1821: 5 )  „Es  wäre  sehr  zu  wünschen,
dass  durch  Vermessung  bekannt  wäre,  wieviel  Morgen  in  jedem  Kreise
das  angebaute  Land,  die  Wiesen,  Weideplätze  einnehmen.“
Diese  Äusserungen  der  massgebenden  amtlichen  Stelle  wären  doch
wohl  nicht  erfolgt,  wenn  wirklich  ausgiebiges  zuverlässiges  Material  vorhanden ­
  gewesen  wäre.  Die  Auslassungen  Ho  fm  an  ns  sprechen  vielmehr
dafür,  dass  das  letztere  nicht  der  Fall  war.  Schliesslich  sagt  doch  auch
Hassel  selbst,  dass  manche  seiner  Angaben  „freilich  nur  auf  oberflächlichen
Berechnungen  der  Hufenzahl  beruhen  mögen“.

*)  Vollständiges  Handbuch  der  neuesten  Erdbeschreibung  von  Ad.  Ohr.  Gaspari
G.  Hassel  und  J.  G.  Pr.  Cannabich.  I.  Abteil.,  3.  Bd.,  bearbeitet  von  Dr.  G.  Hassel.
Weimar  1819.  S.  32  f.
2 )  Übersicht  der  Bodenfläche  und  Bevölkerung  des  preussischen  Staats,  aus  den  für
das  Jahr  1817  amtlich  eingezogenen  Nachrichten.  Berlin  1818.
3 )  Jahrbuch  für  Nat.  und  Stat.  Bd.  18,  8.  379.
4 )  Übersicht  der  Bodenfläche  etc.  S.  7.
5 )  Beiträge  zur  Statistik  des  preussischen  Staats  S.  37.
            
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