Full text: Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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Unter diesen Umständen bleibt die Zuverlässigkeit der Hasselsclien 
Angaben zweifelhaft. 
Für das Jahr 1802 berechnet übrigens Conrad die Ackerfläche 
Preussens in der Weise, dass er aus den Angaben Hassels für 1817 und 
den offiziellen Zahlen für 1865 den durchschnittlichen Zuwachs an Acker 
land für ein Jahr berechnet und dann, dieselbe Durchschnittszahl auch für 
die Zeit vor 1817 zur Grundlage nehmend, für 1802 subtrahendo die Zahl 
39225000 Morgen findet. 
Von andern Schriftstellern, die sich zu derselben Sache äussern, weist 
Mucke an der einen Stelle 1 ) nur auf die Schm oll er-Conrad sehe Diffe 
renz und die Schwierigkeit einer richtigen Ermittelung der Ackerfläche 
im Anfang des vorigen Jahrhunderts hin; an einer andern“ 2 ) nimmt er als 
Ackerland Preussens für das Jahr 1805 10200000 ha an. Peter Wagner 3 ) 
stimmt den Ausführungen Conrads zu. Traugott Müller schreibt in 
der Denkschrift: Die deutsche Landwirtschaft auf der Weltausstellung in 
Paris 1900: 4 ) „Nim veranschlagt man in Preussen den Umfang der kul 
tivierten Oberfläche im Anfang des Jahrhunderts auf a /l6 oder 18,75 % 
der Gesamtfläche des Landes. Nimmt man die Brachfläche, welche nicht 
mit eingerechnet ist, hinzu, so würde das gesamte Ackerland etwa 25 % 
des ganzen Landes ausgemacht haben.“ Es wird hier zwar die Quelle 
nicht angegeben, doch deutet die Zahl 3 / 10 offenbar auf Krug, denn dieser 
gibt die Ackerfläche Preussens in dieser Weise an. In diesen 3 / 16 ist 
aber die Brache mit inbegriffen, wie aus Krug I, S. 74, Tabelle Sp. 3 
hervorgeht. Übrigens wird in der obigen Berechnung Müllers die Brache 
auch nur auf 1 / i der Ackerfläche eingeschätzt. Mit Müller bezw. mit 
Krug nimmt auch Ludw. Pohle 5 & ) den Umfang des preussischen Acker 
landes für das Jahr 1802 auf 18 3 / 4 % der Gesamtfläche der Monarchie an. 
Wir haben nun schon oben gesehen, welche Bedenken namentlich 
von seiten Conrads gegen die Krugsche Ziffer geltend gemacht werden. 
Krug hat die Brache falsch berechnet und schon aus diesem Grunde 
entsprechen seine 3 / 10 oder 18,75 °/ 0 nicht der Wirklichkeit. Aber dieser 
Fehler Hesse sich ja leicht korrigieren, ohne dass man die Krugschen 
Angaben ganz fallen zu lassen brauchte. Viel schwerer wiegt dagegen 
der Vorwurf, dass die Grundlage seiner Berechnungen, die Aussaattabellen, 
durchaus unsicher seien. Conrad beruft sich für diese seine Behauptung 
auf einen Bericht der westpreussischen Kriegs- und Domänenkammer zu 
Marienwerder vom 22. Dezember 1798, in welchem „ausdrücklich gesagt 
ist, dass man nicht in der Lage sei, etwas Zuverlässiges zu bieten, und 
dass die Angabe über die Aussaat jedenfalls zu niedrig sei“. Ferner führt 
0 Der Umfang des Getreidebaues in Deutschland; Zeitschrift des König! Stat. 
Bureaus 1882. 
2 ) Deutschlands Getreideertrag. Greifswald 1883. 
3 ) Die Steigerung der Roherträge in der Landwirtschaft im Laufe des 19. Jahr 
hunderts. Jena 1896. 
J ) In dem einleitenden Aufsatz: Deutschlands Landwirtschaft, ihre Entwickelung 
im 19. Jahrhundert und ihre wirtschaftliche Gesamtbedeutung in der Gegenwart, S. 35. 
& ) Deutschland am Scheidewege. Leipzig 1902.
	        
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