Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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auf einen Morgengruß zu mir. Ich sagte ihm: Stein ist da, wir finden 
ihn im Dom — und wir gingen flugs dahin. Er begrüßte uns auf 
das allerfreundlichste — und wen erblickten wir nicht weit von ihm? 
Da stand der neben ihm größte Deutsche des 19. Jahrhunderts, Wolf— 
gang Goethe, sich das Dombild betrachtend. Und Stein zu uns: „Lieben 
Kinder, still! still! nur nichts Politisches! das mag er nicht; wir können 
ihn da freilich nicht loben, aber er ist doch zu groß.“ Wunderbar gingen 
die beiden deutschen Großen hier nebeneinander her wie mit einer gegen— 
seitigen Ehrfurcht; so war es auch im Gasthause am Teetisch, wo Goethe 
sich meistens sehr schweigsam hielt und sich früh auf sein Zimmer 
zurückzog. 
Wie waren die beiden zusammengekommen? wie dann miteinander 
nach Köln gekommen? Goethe hatte seine Vaterstadt und einige alte 
Genossenschaft und Freundschaft einmal wieder besucht. Da hatte ihn 
sein Herz gefaßt, und er hatte sich wieder das Herz gefaßt, die Pfade, 
auf welchen seine lustige, genialische Jugend sich ergangen und getummelt 
hatte, die Pfade, welche bei Wetzlar an der Lahn und durch ihre schönen 
Täler nach Nassau, Koblenz, Ehrenbreitstein und Valendar hinlaufen, noch 
einmal wieder zu durchwandeln. Da vernimmt Stein in seinem Schlosse 
die Nachricht, Goethe ist in Nassau im Löwen abgestiegen. Er 
flugs in den Löwen und holt und zwingt den Sträubigen in sein Schloß 
hinauf. Da nun Goethe einen Ausflug nach Köln vorhat, so läßt Stein 
seinen Wurstwagen vorspannen, und sie rollen zusammen den Rhein bis 
nach Köln hinunter. Ich kann mir denken, wie die beiden Reisegefährten 
jeden Zusammenstoß vermieden; es war gewiß die äsopische Reise des 
steinernen und irdenen Topfes. So gingen sie auch in Köln nebenein— 
ander hin mit einem zarten Noli me tangere. Nimmer habe ich Steins 
Rede in Gesellschaft stiller tönen gehört. 
Im Sommer des Jahres 1817 kam Stein auf vier Tage mit 
Goethens Herrn, dem Herzog von Weimar, nach Koͤln. Ich konnte hier 
in der Stadt nun schon den Cicerone machen und war viel mit ihnen 
auf den Beinen. Die abendliche Teestunde war immer die allgemeine 
Versammlungsstunde. Stein war gesund und von der köstlichsten Laune, 
der Herzog nach seiner gewöhnlichen, alten, sehr soldatischen Weise: der 
geborne Fürst über jeden Zwang hinaus und immer der helle, frische 
Mann von Mut und Geist. Er hatte von seiner welfischen Mutter Amalia 
wohl das Beste in seinem Naturerbteil bekommen; der Eindruck, den 
er auch dem nur oberflächlich Betrachtenden machte und hinterließ, höchst 
liebenswürdig: er blieb der Herr in der Gesellschaft und machte doch jeden frei. 
Die beiden hohen Herren gingen höchst ungezwungen miteinander 
um, fast wie alte Jugendgenossen; der hochgeborne Reichsfreiherr schien 
dem höhergebornen Fürsten auch keinen Augenblick unterlegen. Das 
war aber das Besondere, daß, wo von ernsten Gegenständen gesprochen.
	        
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