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des Bodens, die mittelst menschlicher Thätigk'eit vermehrt und
verringert, somit modificirt werden können. Zur Modification der
mechanischen und chemischen Eigenschaften des Bodens sind'
Arbeit und Kapital nöthig. Die Arbeits- und Kapitalsmassen kom
men durch ihre Verwendung, mit dem! Boden in untrennbare Ver
bindung, sie gehen in demselben sozusagen auf und werden
mit diesem zu einem einheitlichen Ganzen, dermassen, dass eine
Abgrenzung der natürlichen und der investirten Produktionskräfle
im Boden praktisch unmöglich ist. Die Erde legt fest, bindet
das in ihr investirte Kapital und kann dasselbe dem Boden nicht,
mehr entzogen werden. Demzufolge büsst das im Boden inve
stirte Kapital seine bedeutendste, eigenste Natur, seine Verkehrs
fähigkeit, Beweglichkeit, seinen mobilen Charakter ein. Nicht der
Boden wird, — wie dies Brentano lehrt —- durch ge
steigerte Kapitalsinvestirungen zu Kapital, sondern im Gegen-
theil, das investirte Kapital gewinnt einen immobilen Charakter,
denn vom Augenblicke seiner Investition fehlt beim Verkehr
desselben der Ortswechsel. 1 ) Das im Boden festgelegte Kapital
selbständig zu verwerthen, ist unmöglich, nachdem dasselbe,
nur mit dem Grundstücke zusammen in den Verkehr gelangen
kann. Die Reproduktion des im Boden investirten Kapitals kann
während einer Bewirtschaftungsperiode nicht, sondern nur aus
dem Erträgnisse des Grundbesitzes binnen einer Reihe von Jahren
vor sich gehen.
Die aus diesen Eigenschaften sich ergebende eigenartige
Natur des Grundbesitzes kommt in seiner, , von den übrigen.
Gütern abweichenden juridischen Regelung zum Ausdrucke.
So das ausländische, als auch das ungarische Rechtssystem
verfügt hinsichtlich der Immobilien abweichend von den mo
bilen Gütern.
In unserem Rechtssystem werden die bezüglich beweg
licher Güter geschlossenen Geschäfte in einem besonderen Han
delsgesetze (Ges.-Art. XXXVII. v. J. 1875) geregelt, dessen Be
stimmungen betreffs Verkehr, Verschuldung, Verpachtung etc..
des Grundbesitzes keine Anwendung finden, denn laut §. 262:
0 Brentano sagt nämlich: «Der Boden ist heute Kapital.» «Die Kapital
verwendung in den Boden ist... so gross, dass seine natürlichen Eigen
schaften — von seiner Eigenschaft als Flächenstück abgesehen, — im Ver
gleich zu den durch die menschliche Thätigkeit erzeugten ganz zurücktre
ten. Der Boden erscheint.. . nur mehr als das Gefäss, das bestimmt ist,
gewisse Kräfte aufzunehmen, welche die menschliche Kunst in ihm thätig
werden lassen will.» (Agrarpolitik. Ein Lehrbuch von Dr. Lujo Bren
tano. I. Theil. Stuttgart, 1897. S. 13 und 68.)