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,Die Herrschaft des Wortes“,
gefärbt, je nach dem Zuge des Herzens. Die Systeme sind also nicht
Vorbereitung, nicht kürzende Wege der Forschung, für die letztere
bedeuten sie den Holzweg. So ungefähr liegt das Verhältnis-
zwischen der lebendigen und jener Kadaverwissenschaft 1 Ein Gegensatz,
von dem mit der Zeit auch die Laienwelt Witterung erhalten wird.
Kunde davon, daß Lehrbücher dieser Sorte nur ein Manöverspiel sind,
mit den blinden Salven des Wortstreites, während ganz wo anders
heiß gekämpft wird. Je mehr der Lärm dieses Kampfes auch zum
Laien dringt, desto mehr wird er den Geschmack an bloßen Schau
stücken verlieren. Er wird Siegesberichte von jenem Kampfe ver
langen, im Sinne der anderen, der lebenswahren Reduktion; bei
der ein Lehrbuch für seine Wissenschaft, und nicht als diese
Wissenschaft da sein will.
XIII.
An der Nationalökonomie hat sich das Schicksal erfüllt,
das aus dem Wesen der schildernden Wissenschaft zu folgern ging.
In diesem Sinne sind sich jene mögliche und diese gewordene Wissen
schaft nahe gekommen. Was trennt sie noch? Scheinbar nur mehr
eine Frage des Umfanges. Die Nationalökonomie erscheint zu enge,
um die schildernde Wissenschaft aufzuwiegen; sie wende sich ja nicht
dem Menschheitsleben, nur der „Volkswirtschaft“ zu! Auf den
ersten Blick will dies allerdings nicht viel sagen. Dann wäre einfach
nicht der Nationalökonomie allein, auch noch anderen Wissenschaften
neben ihr, mit der schildernden Wissenschaft ein Spiegel der Selbst
erkenntnis vorgehalten. Leider steht es viel bedenklicher. Solange man
nur überhaupt an eine weitere Trennung glaubt, spukt der Wahn der
„Gebiete“. Da hat man gut für Gesichtspunkte, für die Souveränität
des Denkens über das Wort, als Schlüsselwort, zu streiten. Der
Wortestrug ist nur bei der einen Türe hinausgeworfen, um sich sofort
durch dieses Hintertürchen einzuschleichen. Glaubt man ernstlich an
ein Gebiet des „Wirtschaftlichen“, dann ist wenigstens dem Ein
drücke nach alles wieder in Frage gestellt, was im Grundsätze
schon erledigt war. Warum soll dieses „Gebiet“ nicht aut seine
Fagon selig werden! Warum soll nicht für das „Wirtschaftsleben“
gelten, was freilich für andere „Gebiete“ nicht gilt! Warum soll
das Menschheitsleben nicht von seiner „wirtschaftlichen Seite“ her in
ganz anderer Art erkennbar sein! Wo es hier doch z. B. von
Zahlen wimmelt — und in der Tat, wo immer Zahlen auftauchen.