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Zweiter Teil. Landet. IV. Landelskrisen.
Während ein paar Jahren wurden in einer einzigen Stadt von Lolland mehr
als 10 Millionen für Tulpen umgesetzt. Das ganze schwindlerische Börsenspiel war
schon damals im 17. Jahrhundert mit all' seinen Pfiffen und Kniffen im Schwung.
Die Aktie hieß damals „Tulpe"; das war der ganze Unterschied.
Aus der großen Anzahl von komischen Anekdoten, welche aus jener Zeit auf
bewahrt wurden, wollen wir nur zwei hervorheben. Ein Kaufmann hatte eine Tulpen
zwiebel für 500 fl. gekauft. Kurz darauf brachte ihm ein Bootsmann fremde Waren.
Er ließ dem letzteren einen frischen Lering und eine Kanne Bier reichen. Der Schiffer
sah die teuere Zwiebel liegen, glaubte, es sei eine gemeine, schälte und verspeiste sie zu
dem Lering. Dieser Mißgriff kostete dem Kaufmann mehr, als wenn er den Prinzen
von Oranien traktiert hätte.
Ein Engländer fand in einem Garten ein paar Tulpenzwiebeln und steckte die
selben zu sich, um naturwiffenschaftliche Beobachtungen an denselben zu machen; aber
er wurde als Dieb verklagt und mußte endlich eine große Rechnung bezahlen.
Der Schwindel hatte bald ein ttauriges Ende. Im Jahre 1637 trat der plötzliche
Umschwung ein. Die Panik kam, das Vertrauen verschwand; Kontratte wurden ge
brochen, Exekuttonen wurden in jeder Stadt Lollands angekündigt. Die Träume von
unermeßlichem Reichtum waren verschwunden, und diejenigen, welche sich eine Woche
zuvor noch des Besitzes von ein paar Tulpen erfreuten, deren Realisierung ihnen ein
fürstliches Vermögen -eingebracht haben würde, blickten traurig und verblüfft auf die
erbärmlichen Knollen hin, die vor ihnen lagen und, wertlos in sich selbst, zu keinem
Preis mehr zu verkaufen waren.
Am den Schlag abzuwenden, beriefen die Tulpenhändler öffentliche Versammlungen
und hielten prächtige Reden, in welchen sie bewiesen, daß ihre Ware so viel wert sei
als jemals, und daß der panische Schrecken unsinnig und ungerecht sei. Die Reden
brachten großen Applaus hervor, aber die Knolle blieb wertlos, und obgleich mit Klagen
wegen Konttattsbruch gedroht wurde, so hatten diese doch keine Folge, weil die Gerichte
sich weigerten, von Spielgeschäften Notiz zu nehmen. Sogar die Weisheit der General
staaten in Laag wurde in Anspruch genommen, allein auch sie konnten nicht helfen,
wie es überhaupt nicht in der Macht der Regierung lag, ein Leilmittel für das Abel
zu finden.
Viele Jahre vergingen, bis das Land sich von diesem Schlag wiedererhalte, und
bis der Lande! von den Wunden wiedergenas, welche die Tulpenmanie ihm geschlagen
hatte, eine Manie, die sich nicht bloß auf Lolland beschräntte, sondern bis nach London
und Paris sich erstreckte und in den zwei größten Lauptstädten der Welt der Tulpe
einen erdichteten Wert beigelegt hatte, den sie in Wirklichkeit niemals besaß.
3. Die Handelskrisis von 1857.
Von Albert Schäffle.
Schäffle, Die Handelskrisis von lss? in Hamburg mit besonderer Rücksicht auf das
Bankwesen. In: Gesammelte Aufsätze. 2. Bd. Tübingen, £j. Lauxx, 1886. 5. 61—66.
Nach Beschwichtigung der Wellen der politischen Bewegungen (1848—1851)
warf man sich mit Last auf alle Zweige des wirtschaftlichen Erwerbes, die Industrie
und den Verkehr (Eisenbahnen rc.), auf alle Zweige der Produttion durch Gründung
neuer Anternehmungen, Ambildung und Vergrößerung der alten, endlich auf den