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Zweiter Teil. Äandel. IV. Handelskrisen.
unbeschreiblich Anheimliches". And merkivürdigerweise trat ein ganz unerwarteter Anlaß
auf, von dem man am wenigsten gedacht hatte, daß er den Tag eröffnen sollte. Aus
Pest wurde telegraphisch gemeldet, daß die Franko--Angarische Bank eine Einzahlung
auf ihre Aktien ausschreiben werde, dieselbe Franko-Angarische Bank, die vor kaum
14 Tagen Generalversammlung gehalten und die Auszahlung einer 12 Va °/oi9Ctt Super
dividende für den 1. Juli beschlossen hatte! Eingeweihte hatten zwar schon lange
diese Bank als eine halbbankerotte erklärt, ihre Direktion und Verwaltung als die
schwindelhafteste bezeichnet unter den schwindelhaften, deren sich Transleithanien in
hübscher Zahl zu erfreuen hatte, aber man meinte, daß der Kurs der Aktien wenigstens
über den Couponverfall werde gehalten werden können, und so stagnierte er auch seit
vielen Wochen. Da platzte die Seifenblase! — Statt einzukassieren, sollte man
zuzahlen. Die Aktien fielen in wenigen Minuten von 98 auf 88. Der so jähe Abfall
eines lange ruhig gehaltenen Papiers alarmierte in ungewohntem Maße und machte
mit dem Gedanken vertraut, daß die Krise unversehens losbrechen könne, ja, schon an
die Pforten des Laufes poche. And so war es! „Der ungarischen Frankobank bleibt
der Ruhm, den Reigen der in aller Nacktheit sich bloßstellenden Kreditinstitute und
ihres unheimlichen Totentanzes eröffnet zu haben. Die Folge hat gelehrt, daß sie
dieser bevorzugten Stellung in der Geschichte der Bankleitungsprostitution nicht unwürdig
sei. Die Art, wie sie das Aktienkapital auf 14 Millionen erhöhte, wie sie die
Bezugsausübung der jungen Aktien mit Agio zu bewerkstelligen wußte, wie sie Gewinn
in Aussicht stellte, wo schon ein reichliches Stück Kapital verloren war, und wie endlich
die Maske abgeworfen ward, als es zur Rettung zu spät war, das alles weist der
Franko-Angarischen Bank einen ganz nachbarlichen Platz neben den wienerschen
bankerotten und halbbankerotten kleinen Instituten an, die wenigstens ihr kleines Kapital
und den großen Krach zur Ausrede hatten, während die transleithanische Anstalt
schon vor dem Ach und Krach all' diese Praktiken und Kniffe hatte brauchen müssen,
um nicht als verfallen zu erscheinen."
Gleichzeitig mit der Liobspost von Pest traf die Anzeige ein, daß eines der
ansehnlichsten Wiener Bankhäuser, welches eine bedeutende Rolle an der Börse zu
spielen nicht aufgehört hatte, seitdem es bestand, die Firma Mayersberg & Russo,
seine Zahlungen eingestellt habe. Schon 48 Stunden später hätte man solche Kleinig
keiten, wie die Insolvenz eines Bankhauses und die Bloßlegung der Schwäche eines
Bankinstitutes, gar nicht mehr der Beachtung wertgefunden. Am Mittag des 5. Mai
aber wirtte das niederschlagend, erstarrend, wie das Erscheinen eines Gespenstes, das
heraufbeschworen zu haben man sich einzugestehen begann. „Das ist der Anfang des
Endes!" lautete der Abschied und besagte der Ländedruck erfahrener Börsenleute, als
das Glockenzeichen den Schluß dieses verhängnisvollen Geschäftstages verkündete. „Wie
werden wir uns wiedersehen?" Die Frage war auf aller Lippen.
Am 6. Mai trat die absolute Anentschloffenheit der Börsenleitung zutage,
und mit ihr erwuchs die Zuchtlosigkeit und die Felonie der ohnehin schon ganz ent
arteten Spekulation. Am 6. Mai war es schon handgreiflich, daß die Krise in vollem
Zuge sei, daß die nächste Liquidation eine ganz regellose und verheerende werden, und
daß die Börsenkammer Vorsicht und Wachsamkeit verstärken müsse. Die Kurse fielen
an diesem Tage nicht gar so rapid, alles Geschäft vollzog sich unter dem Drucke des
gerechten Zweifels, ob auch diese Schlüsse zu reellem Vollzüge kommen würden; es
herrschte daher jene Erstarrung der Angst und des Zweifels ob des Angewissen!
Inzwischen kam eine Insolvenzmeldung um die andere. Sie bezogen sich nur auf
Individuen dritten Ranges; denn es handelte sich vorerst nur um Abrechnung des
früheren Liquidationstages, der noch leidliche Kurse eingestellt hatte.
Aber schon lief es wie ein Lauffeuer durch alle Kreise des beteiligten Publikums,
flog es mit Blitzesschnelle durch die Provinzen, daß es hoch an der Zeit sei, sich der