Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter Teil. Handel. IV. Handelskrisen. 
und etwa noch Kreditanstalt ausgenommen — erschüttert. Der Schlag traf umso 
schwerer, als die Wechslerbank noch acht Tage vorher in der unter Kontrolle der 
Regierungsorgane gezogenen „Rohbilanz" einen Aktivsaldo von 400000 fl. aus 
gewiesen hatte. 
Die Wiener Wechslerbank hatte in die Kategorie der famosen „Kartellbanken" 
gehört. Diese, namentlich Börsen- und Maklerbanken waren von nun an sicherem 
Tode verfallen. 
In den Generalversammlungen zur Liquidation der Wiener Börsenspielbanken 
spielen jetzt unnennbare Szenen. „Räuber", „Spitzbuben," „Gebt den Raub heraus", 
fliegt es — kommentiert durch geballte Fäuste — hinüber an die Tische der schlotternden 
Verwaltungsräte, selbst wenn ein hochgeborener Graf und „angesehenes" Herrenhaus- 
mitglied Präsident einer oder mehrerer solcher sauberen Verwaltungsräte war! 
Die Börse aber ist eine öde Halle. „Das Bargeschäft schwingt sein Szepter 
auf dem kreditlosen Terrain", schreibt der „Aktionär" vom 26. Juni. So rasch war 
der ganze babylonische Turmbau der Coulisse verschwunden! 
Zm August und September schienen bessere Zustände zurückkehren zu wollen. Die 
Kurse der „leitenden Bankpapiere" erlangen einige Erholung. Zn Baubanken belebt 
sich nochmals einigermaßen die Spekulation; man glaubt, diese Werte seien unnatürlich 
entwertet. Aber mit dem Herbst „kracht" das Kartenhaus der Baubankspekulationen 
furchtbar zusammen, die Tausende des Wiener Publikums, welche in diesen Werten 
früher gespielt hatten, stehen entsetzt der fortdauernden Katastrophe gegenüber. 
Das Schlimmste sollte erst noch kommen; dem Oktober war der tiefste Sturz 
vorbehalten. Das Messer ging nicht mehr bloß den Börsen-, Makler- und dergleichen 
Banken an die Kehle, sondern den ersten Instituten, insbesondere jenen ineinander ver 
filzten Bankanstalten, welche der Abgeordnetenhauspräsident Freiherr v. Hopfen in 
seiner Leitung zusammenfaßte. Die Aktien des Wiener Bankvereins und der All 
gemeinen Österreichischen Bodenkreditanstalt unterlagen einem enormen Kurssturz. 
„Kredit", „Anglo", „Franko" und andere „leitende", „erste" Papiere gerieten aufs 
neue in eine abwärtsgehende Wertbewegung, welche kaum noch der schwarzsichtigste 
Pessimist für geradezu unmöglich gehalten haben würde. 
Der „Aktionär" beziffert die Kurseinbuße des Wiener Attienbankkapitals (April 
bis Ende Oktober) auf mehr als 700 Mill. fl. ö. W. 
5. Die Krisis im Magdeburger Zuckerhandel (1889). 
Von Otto Pilet. 
p11ct, Lin Rückblick auf mein Lebe». Magdeburg. Selbstverläge, ;goo. S. 52—35. 
Das Jahr 1889 versprach eins der glänzendsten Jahre für den Magdeburger 
Zuckerhandel zu werden, — glänzender als die großen Konjunkturjahrc 1855 und 1857, 
welche ich erlebt hatte, in denen die Preise von 15 Talern auf zirka 25 Taler für 
den Zentner stiegen, — denn es handelte sich um ganz andere Quantitäten als die 
der derzeitigen Produktion. Eine kleine Ernte, beschränkte Vorräte in Deutschland 
machten eine Steigerung, auch eine erhebliche, im Laufe der zu niedrigen Preisen 
begonnenen Kampagne 1888/89 fast zu einer Gewißheit. Was Wunder, wenn man 
seine Operationen danach einrichtete, stärkere Vorräte hielt und große Posten auf 
Lieferuitg für die Sommermonate kaufte! Glänzende Gewinne lvurden eingeheimst, und
	        
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