Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

178  Zweiter  Teil.  Lande!.  VIII.  Der  Wettbewerb  im  Lande!  rc.

In  diesen  Worten  ist  die  technische  und  wirtschaftliche  Überlegenheit  des  Großbetriebes, ­
  die  sich,  wie  längst  auf  industriellem,  so  neuerdings  auch  auf  dem  Gebiete
des  Kleinhandels  Bahn  gebrochen  hat,  treffend  dargestellt.
Müssen  wir  somit  die  Warenhäuser  als  wünschenswerte  Förderer  der  Konsumtion
bettachten,  so  sind  sie  auch  von  nicht  zu  unterschätzendem  günstigen  Einflüsse  auf  unsere
industrielle  Entwickelung.  Sie  sind  einerseits  wertvolle  Kunden  unserer  Großindustrie, ­
  für  die  sie  unentbehrliche,  sichere  Abnehmer  großer  Warenposten  bilden,
andererseits  spielen  sie  als  Arbeitgeber  der  Kleinindustrie  eine  wichtige  Rolle.  Gerade
aus  unserem  engeren  Wirtschaftsgebiete  (Berlin)  sind  uns  zahlreiche  Belege  dafür
geworden,  daß  Landwerk  und  Kleingewerbe  aus  dem  Absah  an  die  Warenhäuser  erheblichen ­
  Nutzen  ziehen.
Die  Warenhäuser  haben  aber  zahlreiche  Artikel  überhaupt  erst  dem  Konsum
der  großen  Massen  zugänglich  gemacht  und  neue  Gebrauchsartikel  geschaffen.
Ich  erwähne  hier  den  Vertrieb  von  konservierten  Gemüsen,  der  seit  einiger  Zeit  in
den  Warenhausverkehr  aufgenommen  worden  ist.  Diese  Konserven,  die  früher  nur
von  Wohlhabenderen  gekauft  wurden,  werden  jetzt  in  Wagenladungen  mit  geringen
Frachtspesen  bezogen  und  dem  Publikum  zu  billigen  Preisen  angeboten.  Der  Verbrauch ­
  hat  sich  in  außerordentlicher  Weise  gehoben,  da  auch  die  Spezialgeschäfte  ihre
Preise  ermäßigen  mußten,  und  Gemüsezüchter,  Fabrikanten,  Ländler  und  Verbraucher
finden  ihren  Vorteil.
Nicht  minder  hat  sich  der  Verkauf  von  Büchern  und  Musikalien  dadurch  gehoben,
daß  die  Warenhäuser  sich  mit  ihm  beschäftigen.  Der  deutsche  Buchhandel  arbeitet  bekanntlich
im  allgemeinen  mit  hohen  Preisen  und  kleinem  Abnehmerkreis.  Von  einem  hiesigen
Warenhause  sind  nun  vor  einiger  Zeit  Massenauflagen  gangbarer  Werke  (Klassiker,
Anterhaltungsschriften,  Kochbücher,  Bilderbücher  u.  dgl.)  veranstaltet  und  diese  zu  sehr
billigen  Preisen  abgesetzt  worden.  Es  wurden  im  letzten  Jahre  etwa  150000  Bilderbücher, ­
  110000  Kochbücher  (zu  je  30  oder  85  Pf.),  120000  Llnterhaltungsschriften
(zu  20—100  Pf.),  8000  Klassiker  abgesetzt.  Gerade  dadurch,  daß  diese  Bücher
in  der  von  vielen  so  anstößig  gefundenen  Nachbarschaft  von  Kleidungsstücken,  Lausgerät ­
  u.  dgl.  ausgelegt  waren,  fanden  sie  Käufer.  Zu  den  üblichen  Preisen  der
Buchhandlungen  würde  sicher  der  überwiegende  Teil  der  Käufer  überhaupt  diese
Bücher  nicht  erstanden  haben,  und,  abgesehen  davon,  daß  zahlreichen,  dem  kleinen  oder
mittleren  Bürgerstande  angehörigen  Personen  eine  unterhaltende  oder  lehrreiche  Lektüre
entgangen  wäre,  hätten  Papierhändler,  Drucker,  Verleger,  Buchbinder  usw.  den  ihnen
aus  dem  Verkauf  erwachsenen  Nutzen  entbehrt.  Ähnliche  Beispiele  lassen  sich  noch
zahlreich  anführen.
Lind  gerade  die  in  die  Acht  erklärten  Warenhäuser,  die  verschiedenartige  Warengruppen ­
  führen,  sind  in  dieser  Beziehung  am  wirkungsvollsten.  Ein  Gang  durch  ihre
Räume,  in  denen  die  mannigfaltigsten  Arükel  nebeneinander  zur  Schau  gelegt  sind,
reizt  die  Kauflust  an,  der  Besucher  sieht  Dinge,  an  die  er  nie  gedacht,  die  er  nie
gekannt  hat,  und  wird  angeregt,  sie  zu  kaufen.  Der  Geschmack  wird  geweckt,  die  Lust,
auch  die  ärmlichste  Wohnung  mit  einem  kleinen  billigen  Schmuckgegenstande  zu  versehen, ­
  und  so  mit  der  Lebung  der  Behaglichkeit  des  Leims  der  Sinn  veredelt.  Ein
Öldruck,  ein  billiger,  kunstgewerblicher  Gegenstand  bereiten  das  Verständnis  für  das
Bessere,  Edelere  vor.  Gerade  unsere  Fabrikanten  kunstgewerblicher  Massenartikel  müssen
in  den  geschmähten  Warenhäusern  wertvolle  Abnehmer  erblicken.
Durch  das  Aufblühen  des  Großbetriebes  im  Kleinhandel  ist  aber  auch  die  Konkurrenz, ­
  die  das  Ausland  der  heimischen  Industrie  macht/erheblich  zurückgedrängt  worden.
Die  Überschwemmung  des  deutschen  Marktes  mit  den  von  den  großen  Pariser  Bazaren,
dem  Louvre,  6on  Nurcire,  Printemps  und  anderen,  gelieferten  Waren  hat  so  gut
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.